Auch Ordinationspersonal ist am Limit

Auch Ordinationspersonal ist am Limit

Befremdlich sei, dass die ärztliche Standesvertretung offensichtlich mit zweierlei Maß messe: Einerseits unterstütze sie Demonstrationen des Spitalspersonals und stelle berechtigte Gehaltsforderungen.

Unzählige Gespräche mit besorgten PatientInnen, ein enormer Mehraufwand in der Organisation und Koordination für die Impfungen und für die Sicherstellung eines möglichst sicheren Aufenthalts in der Ordination, die andauernde Auseinandersetzung mit PatientInnen, die sich nicht an Regeln halten und geänderte Abläufe in der Ordination nicht akzeptieren wollen, ein erhöhtes Ansteckungsrisiko ... die Belastung der ArztassistentInnen ist seit Beginn der Pandemie anhaltend hoch.

Berufsgruppen sollen an einem Strang ziehen

"Befremdlich sei, dass die ärztliche Standesvertretung offensichtlich mit zweierlei Maß messe: Einerseits unterstütze sie Demonstrationen des Spitalspersonals und stelle berechtigte Gehaltsforderungen. Andererseits verweigere die Ärztekammer für Steiermark seit drei Jahren konsequent die jährlichen Ist-Lohn-Anpassungen für ArztassistentInnen", sagt BdA Präsidentin Elisabeth Hammer-Zach.Gerade in dieser Zeit der hohen psychischen und physischen Belastung sei Wertschätzung gefragt, betont Hammer-Zach. „Denn wie in den Spitälern schwindet auch beim Ordinationspersonal angesichts der permanent angespannten Lage zusehends die Motivation. Umso wichtiger ist es, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen, auch zwischen den einzelnen Berufsgruppen: ÄrztInnen und Assistenzpersonal, in den Spitälern und in den Ordinationen. Nur so kann es gelingen, diese Pandemie gemeinsam zu überstehen!“

Steiermark: Seit drei Jahren keine Gehaltsanpassung

Leider scheine dies aber immer noch nicht allen Gruppierungen der ärztlichen Standesvertretung klar zu sein. Hammer-Zach: „Wie sonst ist es zu erklären, dass sich die Ärztekammer Steiermark seit drei Jahren beharrlich weigert, wenigstens einer längst überfälligen Ist-Lohnerhöhung zuzustimmen? Wir sprechen hier nicht von irgendwelchen Corona-Boni oder außertourlichen Erhöhungen, sondern nur von den jährlichen Anpassungen. Der letzte Verhandlungstermin, der für 10. November anberaumt war, wurde – schon wieder einmal! – ohne Begründung kurzfristig abgesagt.“

Seit der Demonstration der ArztassistentInnen vor dem steirischen Haus der Medizin heuer im Juni habe es kein Gespräch mit der steirischen Ärztekammer mehr gegeben. „Wenn wir für eine längst überfällige Ist-Lohnerhöhung demonstrieren, verweigert man als Reaktion weitere Verhandlungen. Wenn das Spitalspersonal auf die Straße geht, um auf die extreme Arbeitssituation aufmerksam zu machen, wird das von der Ärztekammer unterstützt!“, kritisiert Hammer-Zach und betont: „Die gestrige Demo hat völlig zurecht stattgefunden, ich kritisiere sie nicht. Ich fordere jedoch die Ärztekammer auf, Gesundheitspersonal auch im niedergelassenen Bereich wertzuschätzen und seine Leistungen auch monetär anzuerkennen!“

Die aktuelle Situation lasse viele ArztassistentInnen an einen Jobwechsel denken. Hammer-Zach: „Mir ist schon klar, dass die Ärztekammer die Interessen ihrer Mitglieder vertritt. Ordinationen ohne Personal sind aber sicherlich nicht in ihrem Interesse!“

Quelle: Mag.a Elisabeth Hammer-Zach, Präsidentin u Vertretung für OÖ/ots  //  Fotocredit: Symbolfoto

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