Aufwachsen in der digitalen Welt - Eltern und Schule gefordert

Aufwachsen in der digitalen Welt -  Eltern und Schule gefordert

240 Teilnehmer bei Fachtagung von Saferinternet.at in Wien

Dass Smartphone, Tablet & Co. heute zum Alltag von Kindern und Jugendlichen gehören, bringt eine Reihe neuer Phänomene mit sich: Vom „digitalen Schnuller“ über exzessives Online-Gaming bis zur virtuellen Sexualaufklärung. PolitikerInnen und ExpertInnen widmeten sich gestern im Rahmen der Saferinternet.at-Fachtagung „Aufwachsen in der digitalen Welt“ aktuellen Trends und lieferten wichtige Inputs, wie man den Herausforderungen des Internets begegnen kann. Das Aufwachsen in der digitalen Welt bringt nicht nur vielfältige Möglichkeiten mit sich, sondern stellt Kinder, Jugendliche sowie ihre erwachsenen Bezugspersonen auch vor eine Reihe von Herausforderungen. Wie kann man Kinder und Jugendliche auf die Risiken des Internets vorbereiten? Wie vermittelt man ihnen einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien? Was muss man über digitale Spiele, ungeeignete Inhalte, Cyber Mobbing, die Bedeutung von InfluencerInnen usw. wissen?

Die EU-Initiative Saferinternet.at beschäftigt sich seit 15 Jahren mit diesen und vielen weiteren Fragen und hat sich als relevanter und verlässlicher Ansprechpartner rund um den sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien etabliert. Ihren Erfahrungsschatz teilte sie gestern, am internationalen Safer Internet Day, bei der Fachtagung "Safer Internet – Aufwachsen in der digitalen Welt" mit 240 TeilnehmerInnen. Die ausgebuchte Veranstaltung fand bei A1 Telekom Austria, dem langjährigen Unterstützungspartner von Saferinternet.at, statt.

„Wir sind Österreichs größter Kommunikationsanbieter und sehen uns als Treiber und Wegbegleiter der Digitalisierung. Gerade in Hinblick auf die Jüngsten unserer Gesellschaft gilt es dabei, Verantwortung zu übernehmen. Saferinternet.at leistet einen wichtigen Beitrag zum richten und kompetenten Umgang mit digitalen Medien, den wir sehr gerne unterstützen“, so Hausherr Thomas Arnoldner, CEO A1 Telekom Austria Group.

Unterstützung gibt es auch vom Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend. „Als Arbeitsministerin bin ich froh, wenn neue Technologien zum Einsatz kommen und vieles erst ermöglichen. Aber die Digitalisierung birgt auch Risiken. Als Familien- und Jugendministerin sowie dreifache Mutter widme ich mich daher auch der Frage, wie wir unsere Kinder schützen können“, so Christine Aschbacher, Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend. „Die Medienkompetenz zu stärken, ist ein Herzensanliegen für mich, das auch im Regierungsprogramm verankert ist. Wir müssen besser aufklären und präventiv wirken – auch bei Erwachsenen. Ich danke Saferinternet.at für das Engagement und freue mich auf mindestens weitere 15 Jahre.“

Eine Frage der Ethik: Digitale Courage

Als Keynote-Speakerin konnte Saferinternet.at die renommierte Medien- und Kommunikationsexpertin Petra Grimm (Institut für Digitale Ethik, Hochschule der Medien Stuttgart) gewinnen. In ihrem Vortrag ging sie auf die Sogwirkung von Social Media & Co ein und erläuterte, wie wichtig eine „ethische Weichenstellung“ ist bzw. wie man Kinder und Jugendliche dabei unterstützen kann, eine reflektierte Haltung gegenüber digitalen Medien einzunehmen.

„Kinder und Jugendliche müssen dazu befähigt werden, sich eine Wertehaltung anzueignen. Das bedeutet: achtsam miteinander im Netz umgehen, Empathie für Schwächere und digitale Courage zeigen, für ein Recht auf Selbstbestimmung eintreten und die Privatsphäre so weit als möglich schützen“, so Grimm.

Erwachsene haben Aufholbedarf

Im Rahmen eine Panel-Diskussion wurde deutlich, dass es nicht nur Kinder und Jugendliche sind, die beim Aufwachsen in der digitalen Welt Lernbedarf haben. Denn Erwachsene können diese nur dann adäquat unterstützen, wenn sie sich selbst mit neuen Medien auseinandersetzen und sich auch in junge Menschen hineinfühlen können. In einer digitalen Welt aufzuwachsen, ist für Jugendliche heute selbstverständlich und sie bewegen sich auch mit Selbstverständlichkeit in dieser.

 „Wer am meisten lernen muss, sind nicht die Jugendlichen selbst, sondern die Erwachsenen um die Jugendlichen herum“, beobachtet Autorin und Journalistin Ingrid Brodnig. „Wir müssen überlegen, welche Botschaft wir ihnen vermitteln wollen. Bieten wir genügend Rückhalt? Haben junge Menschen das Vertrauen, dass sie zu uns kommen, wenn etwas sie verängstigt?“ Das Wichtigste sei, so Brodnig, „dass jeder Jugendliche mindestens eine erwachsene Vertrauensperson um sich hat; das können Eltern oder Lehrer sein, an die man sich notfalls wenden kann, wenn man Mobbing oder andere Gehässigkeiten online erlebt.“

Iris Rauskala, Bundesministerin a.D. und Sektionschefin im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, unterstreicht die Notwendigkeit, auch die Schulen ins digitale Zeitalter zu bringen: „Es geht aber nicht nur um technisches Wissen, sondern auch und besonders um soziale Kompetenz. Darum, mit den neuen digitalen Kompetenzen in allen Unterrichtsfächern und in jeder Lebenslage umgehen zu lernen.“ Das neue Schulfach Digitale Grundbildung biete hier eine gute Basis – auch für PädagogInnen, um die Scheu vor neuen Medien zu verlieren. Dieser Ansatz müsse künftig noch breiter aufgestellt werden.

Das ambivalente Verhältnis zu digitalen Medien

Babysitter oder Angstmacher, Spaß oder Bedrohung: Digitale Medien prägen den Alltag von Kindern und Jugendlichen in den unterschiedlichsten Formen. Einige der wichtigsten Phänomene beleuchteten und diskutierten die Saferinternet.at-ExpertInnen im Rahmen der Fachtagung. So zeigte Medienpädagoge Wolfgang Pospischill auf, wie InfluencerInnen versuchen, aus Ängsten von Kindern Kapital zu schlagen: Sie nutzen die „natürliche Angstphase“ von 8- bis 12-Jährigen, um beispielsweise durch entsprechende Videos Reichweite zu generieren. Einem nicht zu vernachlässigenden Thema widmete sich Psychologin Elke Prochazka: Kinder werden im Internet oft ungewollt mit pornografischen Inhalten konfrontiert. Sexuelle Bildung ist daher heute wichtiger als je zuvor. Erwachsene sind hier gefordert, Kindern mit Antworten zur Seite zu stehen, ihnen seriöse Quellen aufzuzeigen und zu verhindern, dass das Internet eine ungesteuerte „Aufklärung“ übernimmt. Passend zur aktuellen Saferinternet.at-Studie über die Mediennutzung von Kleinkindern befasste sich Elementar- und Medienpädagogin Rosa Danner in ihrem Fachinput mit dem Phänomen des „digitalen Schnullers“. „Das ,Herumwischen’ auf Tablets und Handys ist für die Jüngsten nicht zuletzt deshalb so attraktiv, weil sie schon früh ihre Selbstwirksamkeit erleben können“, so Danner. Wenn Erwachsene selbst ständig mit digitalen Geräten hantieren, verstärke das diesen Effekt noch. Auffällig, so Danner, sei, dass ältere Geschwister, obwohl oft selbst noch im Volksschulalter, die Kleineren zu beschützen versuchen. Diese Aufgabe müssten aber freilich erwachsene Bezugspersonen übernehmen.

Internationaler Safer Internet Day 2020

Die Fachtagung fand am internationalen Safer Internet Day statt. Weltweit nehmen mehr als 100 Länder den Aktionstag zum Anlass, um auf das Thema Internetsicherheit aufmerksam zu machen. Auch heuer stand er wieder unter dem Motto „Together for a better internet“. Ob Eltern, Schulen, Unternehmen, Politik oder Kinder und Jugendliche selbst: Jeder kann einen Beitrag für ein „besseres Internet“ leisten – sei es durch respektvollen Umgang miteinander, Förderung von Medienkompetenz, Bereitstellung hochwertiger Angebote für Kinder und Jugendliche, Entwicklung sicherer Produkte oder Schaffung adäquater rechtlicher Rahmenbedingungen.

Saferinternet.at – seit 15 Jahren im Dienste der sicheren Internetnutzung

Nicht nur zum Safer Internet Day, sondern das ganze Jahr über bietet Saferinternet.at ein umfassendes Informationsangebot für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrende. Dieses reicht von Unterrichtspaketen, Antworten auf häufig gestellte Fragen sowie Broschüren über den Video-Elternratgeber „Frag Barbara!“ bis hin zu Privatsphäre-Leitfäden und Quiz. Workshops können österreichweit unter www.saferinternet.at/veranstaltungsservice gebucht werden. Seit mittlerweile 15 Jahren lotet das engagierte Team von Saferinternet.at kontinuierlich die neuesten Online-Trends aus, bietet Rat und Unterstützung, ist kompetenter Ansprechpartner für Medien und teilt sein Know-how mit allen Interessierten. So gibt etwa der jährlich erstellte Jugend-Internet-Monitor Einblick in aktuelle Daten zur Social-Media-Nutzung von Österreichs Jugendlichen.

„Die digitale Welt entwickelt sich ständig und mit enormem Tempo weiter. Das bringt neue Trends und Herausforderungen mit sich – und garantiert, dass es für uns auch nach 15 Jahren immer etwas zu tun gibt“, so Bernhard Jungwirth, Geschäftsführer des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation, augenzwinkernd. „Das Saferinternet.at-Team arbeitet mit viel Herzblut und Know-how auch weiterhin daran, Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen bei der sicheren und verantwortungsvollen Internetnutzung zu unterstützen.“

15 Jahre Saferinternet.at – Facts & Figures

  • 15.700 Workshops mit mehr als
  • 380.000 TeilnehmerInnen,
  • 4 Millionen verbreitete Materialien (digital und gedruckt),
  • mehr als 230.000 online erreichte NutzerInnen pro Monat,
  • über 18.000 Beratungen für Kinder, Jugendliche, Eltern und PädadogInnen,
  • 878 bearbeitete Presseanfragen

Quelle: ÖIAT Matthias Jax, MA / ots  //  Fotocredit: Saferinternet.at/APA-Fotoservice/Hörmandinger

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