Biodiversitätsforschung macht enorme Artenvielfalt im Nationalpark sichtbar

Biodiversitätsforschung macht enorme Artenvielfalt im Nationalpark sichtbar

Direktoriumsvorsitzender Hermann Stotter mit Ratsvorsitzender und Landeshauptmannstellvertreterin von Tirol, Ingrid Felipe, halten die 25. Ratssitzung per Videokonferenz ab

Gemeinsam mit Bundesministerin Leonore Gewessler, Landesrätin Sara Schaar aus Kärnten und der Salzburger Landesrätin, Maria Hutter wurde der Nationalparkratsvorsitzenden, Tirols Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe im Rahmen der 25. Sitzung des Nationalparkrates erste Einblicke in den 2021 erscheinenden Biodiversitätsreport des Nationalparks präsentiert. „Seit 20 Jahren werden Verbreitungsdaten von Flora und Fauna aus der gesamten Region des Nationalparks erhoben und in einer Datenbank zentral erfasst. Dabei war das Haus der Natur in Salzburg mit seinem ExpertInnenteam Partner der ersten Stunde und mittlerweile stehen uns rund 490.000 Datensätzen zur Verfügung. Biodiversität kennen und anerkennen ist ein Grundsatz der österreichischen Biodiversitätsstrategie. Die Daten liefern uns wichtige Grundlagen für unsere zukünftige Naturschutzarbeit “, so Tirols Naturschutzreferentin LHStvin Felipe.

„Artenvielfalt ist unsere Lebensversicherung. Sie sichert uns gesunde Lebensmittel und saubere Luft, schützt uns vor Naturgefahren und hilft uns bei der Anpassung an den Klimawandel. Gerade in Zeiten, wo Artenvielfalt und Lebensräume massiv bedroht sind, leistet der Nationalpark unschätzbare Arbeit zum Schutz von Lebensräumen und Arten, aber auch in der Dokumentation“, so Klimaschutzministerin Leonore Gewessler. Alleine in diesem Jahr konnten 47.000 Datensätze und insgesamt 227 zusätzliche Arten in die Biodiversitätsdatenbank des Nationalparks einfließen. Neben Daten, welche aus laufenden Projekten, Beobachtungen, Sammlungen und Sichtung der Literatur in die Datenbank eingearbeitet werden, sind die ‚Tage der Artenvielfalt‘ wichtigster Lieferant für verifizierte Daten. Dabei erheben rund 70 WissenschaftlerInnen aus verschiedensten Disziplinen innerhalb von 48 Stunden die Biodiversität eines Gebietes. Dieser ehrenamtliche Einsatz bringt jährlich rund 5.000 fundierte Datensätze und die einzelnen Täler des Nationalparks werden so kontinuierlich erfasst. Zudem werden regelmäßig auch seltene Funde oder sogar Erstfunde gemacht.

Vegetationskartierung soll weitere Erkenntnisse liefern

Weitere Forschungsschwerpunkte in Richtung Artenvielfalt wurden mit der derzeit laufenden Vegetationskartierung gesetzt. „Mit der Vegetationskartierung wollen wir die Prozesse in der Natur, die durch den Klimawandel ausgelöst werden, abbilden. Die Erkenntnisse daraus werden uns wichtige Aufschlüsse über die Auswirkungen auf die Biodiversität geben. Darüber hinaus können weitere Erkenntnisse über die Geschwindigkeit, wie rasch der Klimawandel voranschreitet, gewonnen werden“, betont Kärntens Nationalparkreferentin Landesrätin Sara Schaar. Bei der Vegetationskartierung werden die natürlichen Dynamiken auf beinahe einem Zehntel der Nationalparkfläche erhoben und dokumentiert. Das mit Bundes-, Landes- und LE-Mitteln geförderte Großprojekt soll dabei Störungen und Zyklen erfassen und allgemeine Beobachtungen zur Gebietsentwicklung – speziell im Gletschervorfeld – erheben. Im Fokus der Betrachtung stehen das Kärntner Seebachtal, das Wildnisgebiet Sulzbachtäler in Salzburg und das Tiroler Innergschlöss, welche auch als Idealflächen für die Langzeitbeobachtung von Gebirgsökosystemprozessen ausgewählt wurden und nun hinsichtlich des Vorkommens und der Verbreitung von Biotoptypen analysiert werden. Rund 157 km² an Gesamtfläche gilt es bis Projektende im Frühjahr 2023 zu dokumentieren und zu interpretieren.

Umweltbildung im Nationalpark

Neben Forschungsagenden, welche nur über die Ländergrenzen hinaus Sinn machen, werden auch gemeinsame Bildungs- und Naturraummanagementprojekte sowie die breite Öffentlichkeitsarbeit im Nationalparkrat durchgeführt, wie die Salzburger Nationalparklandesrätin Maria Hutter festhält: „Die jungen Leute sind es, die in wenigen Jahren in unterschiedlichen Bereichen mitentscheiden werden. Deswegen ist es wichtig, über das Naturschutzjuwel Bescheid zu wissen, um es wertschätzen und schützen zu können. Jede Aktivität des Nationalparks Hohe Tauern in der Umweltbildung ist eine gute Investition in die Zukunft des Naturschutzes und letztlich der Lebensqualität in unserem Land“. Die Kernsäulen der schulischen Bildungsarbeit sind dabei die Swarovski-Wasserschule und die VERBUND-Klimaschule. Wobei das Jahr 2020 gerade im Bildungsbereich aufgrund der Schulschließungen große Einbrüche gebracht hat. Um die Menschen noch mehr für die Nationalpark- und Naturschutzidee zu gewinnen setzt die Öffentlichkeitsarbeit des Nationalparkrates verstärkt auf die sozialen Medien. Dabei ist es nicht nur wichtig, schnelle und laufende Informationen zu liefern. Die User sollen sich durch gezielten Wissenstransfer mit den Themen, Werten, Projekten und Inhalten des Nationalparks Hohe Tauern identifizieren.

Der Nationalparkrat als Entscheidungsgremium

Der Nationalparkrat als höchstes Entscheidungsgremium im Nationalpark Hohe Tauern, dessen Aufgaben seit 1994 mit Staatsvertrag zwischen der Republik Österreich und den Bundesländern Kärnten, Salzburg und Tirol festgelegt sind, besteht aus vier stimmberechtigten Mitgliedern, der Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie und den für den Nationalpark in den drei Bundesländern ressortzuständigen Mitgliedern der Landesregierungen. Alle zwei Jahre wechselt die Vorsitzführung unter den LandespolitikerInnen. Darüber hinaus sind je drei Vertreter der Gemeinden, der Grundeigentümer, des Naturschutzes und der zuständigen Fachabteilungen der Landesregierungen beratend involviert.

Quelle: Hermann Stotter Direktoriumsvorsitzender Nationalpark Hohe Tauern / ots  //  Fotocredit: Land Tirol/Rosner

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