Die Kunst als Vorreiterin der Gesellschaft

Ausstellungsansicht "Auf zu Neuem. Drei Jahrzehnte von Schiele bis Schlegel aus Privatbesitz", Landesgalerie Niederösterreich (2021-2022)Zu sehen: Arbeiten von Muntean/Rosenblum, Eva Schlegel, Josef Bauer, Brigitte Kowanz sowie eine Skulptur von Dorothee Golz   © Raffael F. Lehner

Zwei neue Ausstellungen auf der Kunstmeile Krems. Im Bild: Ausstellungsansicht "Auf zu Neuem

Am Samstag, den 27.03.2021 eröffnen zwei neue Ausstellungen auf der Kunstmeile Krems: „Patricia Piccinini. Embracing the Future“ in der Kunsthalle Krems und „Auf zu Neuem. Drei Jahrzehnte von Schiele bis Schlegel aus Privatbesitz“ in der Landesgalerie Niederösterreich. Am Eröffnungstag ist der Eintritt in die Ausstellungen frei.

So diametral unterschiedlich die beiden Schauen sind, verdeutlichen beide die Rolle der Kunst als Vorreiterin für gesellschaftliche Umwälzungen und Phänomene.

In einer Welt der Koexistenz und Akzeptanz

Die Ausstellung in der Kunsthalle Krems ist die erste große Werkschau von Patricia Piccinini in Österreich und zeigt Skulpturen, Installationen und Videoarbeiten aus beinahe zwei Jahrzehnten künstlerischen Schaffens. Die hybriden Geschöpfe der australischen Künstlerin entführen uns in eine Welt der Koexistenz und Akzeptanz, in der tief verwurzelte Denkweisen der Kategorisierung von Mensch, Natur und Technik hinter sich gelassen wurden.

Piccininis hyperrealistische Skulpturen wirken auf den ersten Blick fremd, aber sie besitzen urmenschliche Eigenschaften. Ein Wesen, halb Mensch, halb Schwein, stillt ruhig und in sich versunken seine Babys. Eine Frau hält ein mutiertes Wesen zärtlich und liebevoll in ihren Armen. In ihrem Tun nehmen diese Figuren empathische Züge an, sie strahlen Wärme, Nähe und Mitgefühl aus, so Florian Steininger, künstlerischer Direktor der Kunsthalle Krems. Patricia Piccinini sagt über ihre Welt: Sie ist seltsam, aber zugleich vertraut. Es ist eine Welt, in der sich das Kulturelle und das Natürliche, das Technologische und das Organische immer mehr vermischen. Auf diese Weise thematisiert die Künstlerin menschliche Empathie und unsere Haltung im Umgang mit dem Unbekannten und kommt zum Schluss, dass sich das Unbekannte als viel weniger fremd herausstellt als ursprünglich angenommen.

Österreichische Kunstgeschichte im Zeitraffer

In der Landesgalerie Niederösterreich liefern unter dem Titel „Auf zu Neuem“ rund 150 Werke von rund 40 Künstlerinnen und Künstlern einen rasanten Parcours durch die österreichische Kunstgeschichte. Die Arbeiten stammen aus wichtigen Privatsammlungen – wie etwa der Privatsammlung Rudolf Leopold sowie der Kollektionen Angerlehner, Liaunig, Zambo oder Infeld. In drei Abschnitten gibt die Schau Aufschluss darüber, wie Künstler*innen von Egon Schiele und Richard Gerstl über Ernst Fuchs, Maria Lassnig und Arnulf Rainer bis zu Erwin Wurm, Eva Schlegel oder Brigitte Kowanz die zeitgenössische Bild- und Formensprache beeinflusst haben.

Mit rund 20 Aktzeichnungen und Malereien, darunter zahlreiche Hauptwerke, dominiert Egon Schiele den ersten Abschnitt der Ausstellung. Im zweiten Abschnitt lässt sich die Entwicklung vom Surrealismus über den Phantastischen Realismus bis hin zur Abstraktion etwa anhand von Arbeiten Arnulf Rainers erkennen. Der dritte Abschnitt mündet im Stilpluralismus der 1990er-Jahre: Fotografie und Konzeptkunst treffen auf Lichtinstallationen und computergenerierte Bildsysteme.

Die Schau wirft einen frischen Blick auf Jahre des 20. Jahrhunderts, die explosive Veränderungen gebracht haben. Sammlerinnen und Sammler waren den Museen oft weit voraus. Vieles dürfen wir nun erstmals außerhalb von privaten Räumlichkeiten zeigen, erklärt Christian Bauer, künstlerischer Direktor der Landesgalerie Niederösterreich. Sein Co-Kurator Günther Oberhollenzer betont: Es scheint, als ob manche Künstlerinnen und Künstler Internettrends wie etwa die exzessive Selbstdarstellung und -inszenierung durch das Selfie vorweggenommen haben. Auch Geschlechterrollen werden hinterfragt. Das sind brisante und heiß diskutierte Fragestellungen unserer heutigen Gesellschaft, die die Kunst schon lange antizipiert hat.

Eröffnungstag bei freiem Eintritt: SA 27.03.2021, 10 – 18 Uhr
Aufgrund der geltenden Beschränkung von 20 m2 pro Besucher*in kann es beim Einlass zu kurzen Wartezeiten kommen.

Schließtage 01.04. – 06.04.2021 
Aufgrund der aktuellen COVID-19-Verordnung für die Ost-Region sind die Ausstellungshäuser der Kunstmeile Krems von DO 01.04. bis inkl. DI 06.04.2021 geschlossen.

Patricia Piccinini. Embracing the Future
27.03. – 03.10.2021
Kunsthalle Krems
Museumsplatz 5, 3500 Krems an der Donau

Auf zu Neuem. Drei Jahrzehnte von Schiele bis Schlegel aus Privatbesitz
27.03.2021 – 06.02.2022
Landesgalerie Niederösterreich, UG
Museumsplatz 1, 3500 Krems an der Donau

Quelle: Kunsthalle Krems Matej Gajdos; Landesgalerie Niederösterreich Maria Schneeweiß / ots  //  Fotocredit: Raffael F. Lehner

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