Die Landung des Schweizer Twannberg-Meteoriten im NHM Wien

Die Landung des Schweizer Twannberg-Meteoriten im NHM Wien

Generaldirektorin des NHM Wien Dr. Katrin Vohland, Ständeratspräsident der Schweiz Hans Stöckli, Kurator des NHM Wien Dr. Ludovic Ferrière, OSZE-Botschafter der Schweiz Wolfgang Amadeus Brülhart (v.l.n.r.)

Die Schweizerische Eidgenossenschaft übergibt am Donnerstag, 1. Oktober 2020, ein Stück des nördlich des Bieler Sees (im Kanton Bern, Schweiz) gefundenen, sogenannten Twannberg-Meteoriten an das Naturhistorische Museum Wien. Die Schenkung erfolgt anlässlich des offiziellen Besuchs von Ständeratspräsident Hans Stöckli in Österreich.

Der Twannberg-Meteorit ist ein seltener Typ eines Eisenmeteoriten, der nahe der Stadt Biel gefunden wurde. Der erste Meteorit (mit einer Masse von 15 kg) wurde dort schon im Jahr 1984 entdeckt und weitere Stücke wurden in den Jahren 2000, 2005 und 2007 gefunden.

Spezielle Suchkampagnen wurden als Citizen Science-Projekt unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Beda A. Hofmann (Naturhistorisches Museum Bern und Universität Bern, Schweiz) zusammen mit rund 50 Meteoriten-Laienwissenschaftler*innen organisiert, Gemeinsam konnte man ein bedeutendes Fallereignis in der Meteoritenforschung zu Tage fördern: Es wurden Hunderte Meteoritenfragmente mit einer Gesamtmasse von etwa 140 kg ans Licht gebracht und rasch wurde klar, dass es sich um das erste Meteoriten-Streufeld der Schweiz handelte. 

Der Twannberg-Meteorit ist bei seinem Fall vor etwa 155.000 bis 195.000 Jahren in der Atmosphäre in unzählige Stücke gerissen worden. Physikalische Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Meteoroid einen Durchmesser von mindestens vier Metern aufwies, was einer Masse von Tausenden Tonnen entspricht. Dieses Ereignis kann durchaus mit dem spektakulären Fall des Chelyabinsk-Meteoriten mit einem Durchmesser von ca. 20 m über Russland am 15. Februar 2013 verglichen werden

"Der Twannberg-Meteorit ist ein sehr seltener Typ von Eisenmeteorit, der zur chemischen Gruppe IIG gehört. Von den derzeit 1.255 anerkannten Eisenmeteoriten gehören nur fünf andere Meteorite wie der Twannberg-Meteorit zu dieser speziellen Gruppe, eine Seltenheit!“, bekräftigt Dr. Ludovic Ferrière, Kurator der Meteoritensammlung des NHM Wien.

Insgesamt sind 11 Meteorite aus der Schweiz bekannt, und der Twannberg-Meteorit ist nun der dritte Meteorit aus der Schweiz, der in die Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien aufgenommen wurde. Den Neuzugang in der Dauerausstellung im Wiener Meteoritensaal beschreibt Kurator Ludovic Ferrière: "Dieses Exemplar des Twannberg-Meteoriten, mit einem Gewicht von 370,1 g (Abmessungen: 8,5 x 5,0 x 4,0 cm), wurde im Zustand der Auffindung aufbewahrt: mit seiner natürlichen "verrosteten" Patina. Bis jetzt hatten wir nur ein kleines Stück dieses Meteoriten in der wissenschaftlichen Sammlung, eine Schenkung aus dem Jahr 2019 von Thomas Stalder. Ich war viele Jahre auf der Suche nach einem besonderen Exemplar für die Schausammlung. Im September 2016 suchte ich selbst zwei Tage lang mit einem Metalldetektor am Streufeld, gemeinsam mit einem befreundeten Meteoritenforscher. Wir haben leider keinen Meteoriten gefunden, aber wir haben es wenigstens versucht!“

Umso mehr freut sich der Kurator nun über das gestiftete Exemplar. „Es wurde am 3. April 2016 von Madeleine Sturny entdeckt. An diesem Tag suchte sie zusammen mit anderen Citizen Scientists im Wald auf dem Mont Sujet, einem der "hot spots" für Twannberg-Meteoriten und fand sogar zwei Stücke. Der gestiftete Meteorit war der zweite, den sie ausgrub. Was für ein Glückstag!“, so der Kurator.

„Der Twannberg-Meteorit ist eine sehr schöne Ergänzung für das Naturhistorische Museum Wien, das die größte und älteste Meteoritensammlung der Welt beherbergt und davon rund 1.100 Stück in der Schausammlung der Öffentlichkeit zeigt“, bedankte sich die Generaldirektorin und wissenschaftlichen Geschäftsführerin des NHM Wien, Dr. Katrin Vohland, beim Ständeratspräsident Hans Stöckli für den wertvollen Neuzugang.

„Dem gesamten Team der Ständigen Vertretung der Schweiz bei der OSZE, den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen in Wien, insbesondere ihrem Chef, Botschafter Wolfgang Amadeus Brülhart, sei für die Ermöglichung dieser Spende gedankt“, bekräftigte die Generaldirektorin Dr. Katrin Vohland.

Das neue Stück des Twannberg-Meteoriten kann im Meteoritensaal (im Saal 5 in der zentralen Vitrine Nr. 109) des NHM Wien besichtigt werden.

Quelle: Mag. Irina Kubadinow Leitung Kommunikation & Medien, Pressesprecherin, Mag. Nikolett Kertész Kommunikation & Medien / ots  //  Fotocredit: NHM Wien / A. Schumacher

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