Digitalisierung als Chance auf dem Weg zur Gleichberechtigung

Digitalisierung als Chance auf dem Weg zur Gleichberechtigung

Isabella Lehner, LAbg. Margit Angerlehner, Dr.in Christina Rami-Mark, Mag.a Dr.in Martina Gaisch, Mag.a Klaudia Burtscher, Susanne Steckerl, MEd MBA, LH-Stv.in Christine Haberlander, Mag.a Brigitte Maria Gruber, Ing.in Mag.a Marianne Littringer, Prof.in Dr.in Martina Mara

Über 400 Frauen und Männer folgten am 3. November der Einladung von Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag.a Christine Haberlander und dem Frauenreferat des Landes OÖ zum Zukunftsforum 2022 „Frauen@IT - Liebe auf den zweiten Blick?“ im Oberbank Donau Forum in Linz. Am Nachmittag fanden vier Workshops „Frauenimpulse“ verteilt über ganz Oberösterreich statt.

Mit mehr als 400 engagierten Frauen und Männern aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft ist das Zukunftsforum „Frauen gestalten Zukunft“ des Frauenreferates des Landes Oberösterreich die größte frauenpolitische Plattform in Oberösterreich.

Die Veranstaltung widmete sich dem Zukunftsthema Digitalisierung. Dort wurde über den Sinn, die Chancen und den Nutzen der modernen Technologien intensiv diskutiert.

„Wir wollen die Gleichstellung von Frauen und Männern mit der Digitalisierung weiter forcieren. Dies betrifft viele Lebensbereiche, zum Beispiel die Erhöhung des Frauenanteils in Digitalberufen, das mobile Arbeiten als Chance für die Gleichstellung oder die Bekämpfung von Diskriminierung und Hasskriminalität im Netz. Junge Frauen wollen nicht nur die digitale Welt mitgestalten, sondern die Welt auch zu einem besseren Ort machen. Themen wie Nachhaltigkeit, Inklusion und Ethik spielen für sie eine zentrale Rolle. Digitalisierung muss als Chance begriffen werden, um unsere Gesellschaft gerechter und modernen zu gestalten“, so LH-Stv.in Mag.a Christine Haberlander.

Hochkarätige Mitdenkerinnen und Mitdenker
Auch heuer ist es gelungen hochkarätige Mitdenkerinnen und Mitdenker zu gewinnen, wie beispielsweise Prof.in Dr.in Martina Mara von der JKU und Mag.a Dr.in Martina Gaisch von der FH OÖ. 

„Wir müssen aufpassen, dass sich veraltete Geschlechter-Klischees nicht über den Umweg neuer Technologien wieder in unseren Alltag zurückschleichen. Da gibt es einige aktuelle Beispiele: KI-basierte Sprachassistenzsysteme wie Alexa, die als digitale Sekretärinnen jederzeit auf Zuruf Wünsche erfüllen – und in der Standard-Einstellung fast allesamt Frauenstimmen und Frauennamen haben. Recruiting-Algorithmen, die Frauen in der Job-Auswahl systematisch benachteiligen. KI-Bild-Generatoren, die als typisches Bild für „CEO“ immer einen Mann ausspucken.

Unsere eigene Forschung am Robopsychology Lab zeigt, dass männliche Nutzer im Durchschnitt KI-Assistenzsysteme bevorzugen, die eine weibliche Stimme haben und gleichzeitig passiv und folgsam auftreten, während weibliche Nutzerinnen solchen stereotypen Designs großteils ablehnend gegenüberstehen. Der Markt scheint bisher eher den männlichen Präferenzen zu folgen. Sowohl auf Seite der Hersteller wie auch auf Seite der Nutzer wird man da in Zukunft mehr Bewusstsein herstellen müssen, denn eine Reproduktion von veralteten Geschlechterrollen (hier beispielsweise „die passive Frau“) durch Technik-Gadgets kann auch für das gesellschaftliche Bild realer Frauen problematisch sein“, so Prof.inDr.in Martina Mara von der JKU Linz.

Die EU hat Richtlinien für vertrauenswürdige KI veröffentlicht, in denen ganz klar steht, dass Systeme nicht diskriminieren dürfen. Man kann also Zielvorgaben für KI Systeme anders programmieren oder Datensätze etwas besser verwalten. Ein anderer Ansatz ist, dass die Teams, die an der Entwicklung arbeiten, diverser werden müssen. Dass nicht nur Männer Technologien für unseren Alltag entwerfen, sondern Teams, die aus Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Bedürfnissen bestehen. Da hapert es noch eklatant. Nur zwölf Prozent der Forschenden im Bereich Machine Learning sind weiblich.

Das heißt, es gilt also immer noch die Forderung „mehr Frauen in die Technik“. Dies ist leider aktueller denn je, weil die Technik eine größere Rolle spielt denn je. Frauen interessieren sich häufig für Brückenbereiche der Technologie, etwa für KI und Klimaschutz – ein aufstrebender und relevanter Bereich. Man muss darüber hinauskommen, dass Informatik nur etwas für diejenigen ist, die sich schon mit 13 als „Nerds“ identifizieren.

„Bislang wurde Informatik von Männern für Männer gestaltet. Damit sich der zweite Blick für Frauen auch lohnt, braucht es neue Wege. IT ist ein unglaublich breites und spannendes Feld, das viel zu verkürzt diskutiert wird. Wenn es gelingt, Informatik mit Kommunikation, Kreativität und Nachhaltigkeit zu verknüpfen, werden auch mehr Frauen darauf aufmerksam. Jüngste Studien zeigen, dass Schülerinnen diesen Querbezug brauchen, um sich angesprochen zu fühlen. Mehr Vielfalt in die Informatik zu bringen, muss aber auch ein gesellschaftliches Ziel werden. Ganz nach dem Motto „let's shape the future together" gilt es aufzeigen, wie wesentlich es ist, alle Menschen gleichermaßen in die Entwicklung digitaler Produkte miteinzubeziehen. Ich bin zuversichtlich, dass dies mit einer authentischen Zielgruppenansprache, einer innovativen Didaktik, Projekten, die den Purpose-Gedanken in den Mittelpunkt stellen und dem Aufbrechen von Klischees, auch gelingen wird“, betont Mag.aDr.in Martina Gaisch von der FH OÖ.

Die Workshopleiterinnen Ing.in Mag.a Marianne Littringer, Mag.a Klaudia Burtscher von der Frauenstiftung Steyr, Susanne Steckerl, MEd MBA von der Gesellschaft für Frauen und Qualifikation MBH und Mag.a Brigitte Gruber von der Frauenfachakademie Mondsee diskutierten am Podium gemeinsam mit der Moderatorin Sabine Fürst über die wichtigsten Erkenntnisse aus den Frauenimpulsen. Dort kristallisierte sich heraus, dass, 
es Vernetzung mit der IT zu aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit, Klima, Kommunikation u.s.w. geben muss, um dieses Berufsfelder für Frauen noch attraktiver zu gestalten. Für IT –Berufe ist es nie zu spät, auch Frauen aller Altersgruppen sollten diese Möglichkeit bei Berufsumstiegen haben. Es braucht noch mehr Vorbilder und Mutmacherinnen in diesem Bereich sowie bestmögliche Rahmenbedingungen von Seiten der Unternehmen, um Beruf und Familie bestmöglich vereinbaren zu können.

Wie gewinnt man mehr Mädchen und Frauen für die IT und in MINT Berufe?
Das Land OÖ und das Frauenreferat des Landes OÖ unterstützen verschiedene Aktionen, die dazu beitragen, dass in Zukunft mehr Mädchen in technischen, naturwissenschaftlichen und handwerklichen Berufen in Oberösterreich zu finden sind. Wie beispielsweise das HTLMentoring für Mädchen, den Girls Day der auch bereits Einzug in den Kindergarten gehalten hat und das Programm FIT-Frauen in die Technik.

Diese Initiativen sind echte Erfolgsprogramme, die dazu beitragen, dass mehr Mädchen in Oberösterreich in die Technik gehen. Dass das auch gelingt, beweisen die Zahlen. In fast allen technischen Berufen zeigt sich ein Anstieg bei weiblichen Lehrlingen.

Vor kurzem starteten zwei neue Initiativen der MINTality-Stiftung und der IV OÖ in Oberösterreich, die Mathe-Night und Robitopia, mit dem Ziel mehr Jugendliche für technisch-naturwissenschaftliche Ausbildungen zu interessieren. Mit dem kommenden Sommersemester wird das neue digitale MINT-Lernspiel Robitopia an den oberösterreichischen Schulen gestartet. Das digitale Lernspiel richtet sich an Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen der Volksschule. Im Rahmen spannender sowie abwechslungsreicher Aufgaben sollen stereotype Rollenbilder abgebaut werden.

„Für die Begeisterung für MINT braucht es aber auch einige andere Schrauben, an denen gedreht werden muss. Beispielsweise braucht es Informationen und Best-Practice Lösungen für Unternehmen, wie sie verstärkt Mädchen und Frauen für IT Jobs gewinnen können. Auch Mütter und Väter, die oft auf die Berufsentscheidung ihrer Kinder einwirken, sollen noch stärker in die Bewusstseinsbildungskampagnen miteinbezogen werden. Weiters müssen wir verstärkt, so wie wir es mit dem Girls Day Mini bereits tun, bereits bei den Jüngsten im Kindergarten ansetzen und es braucht Maßnahmen, um die Talente und das Selbstbewusstsein von Mädchen und Frauen verstärkt zu fördern“, so Haberlander abschließend. 

Quelle: Land OÖ  //  Fotocredit: © Land OÖ/Andreas Krenn

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