Dokumentationsstelle: Veröffentlichungen zu Anastasia-Bewegung und Antisemitismus

Dokumentationsstelle: Veröffentlichungen zu Anastasia-Bewegung und Antisemitismus

Neues Format DPI Focus zeigt:  Verschwörungserzählungen und ein antisemitisches Weltbild sind oftmals eine Begleiterscheinung von extremistischen Bewegungen

Der Österreichische Fonds zur Dokumentation von religiös motiviertem politischen Extremismus (Dokumentationsstelle Politischer Islam) stellt eine kompakte Informationsreihe vor. Die ersten beiden Ausgaben des neuen Info-Formats DPI Focus beschäftigen sich mit der Anastasia-Bewegung sowie mit Beispielen von Antisemitismus in religiös motivierten Extremismen. Seit seiner Gründung stößt der Fonds in seiner Dokumentationsarbeit immer wieder auf antisemitische Inhalte, wie auch bereits veröffentlichte Publikationen, insbesondere der heurige Jahresbericht aufzeigten.

„Die seit 2020 laufenden Krisen haben radikale Tendenzen sowie Verschwörungsmythen innerhalb unserer Gesellschaft verstärkt. Eine auffällig häufige Begleiterscheinung beim religiös motivierten politischen Extremismus ist der Antisemitismus, dies kann den Politischen Islam genauso wie andere Ideologien betreffen. In islamistischen Schriften, beispielsweise von Milli-Görüs-Gründer Necmettin Erbakan oder den Muslimbruderschaft-Ideologen Sayyid Qutb und Yusuf al-Qaradawi, finden sich häufig antisemitische Narrative. Zu den neuartigeren Phänomenen zählt die Anastasia-Bewegung mit Merkmalen einer neuen religiösen Gruppierung, die sich auf die Literatur von Wladimir Megre stützt. Bei der aus Russland kommenden Bewegung handelt es sich um eine esoterische Strömung mit antisemitischen und völkischen Lehren, womit sie eher dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen ist“, so Lisa Fellhofer, Direktorin der Dokumentationsstelle.

Anastasia-Bewegung: „Dämonkratie“ und Siedlungsprojekte

Die sektenähnliche Anastasia-Bewegung beruft sich auf die Romane des russischen Unternehmers und Schriftstellers Wladimir Megre, wobei im Mittelpunkt die fiktive Protagonistin „Anastasia“ steht, eine „wedrussische“ Einsiedlerin mit übernatürlichen Kräften. In den Büchern wird dazu aufgerufen, autarke „Familienlandsitze“ als Anwesen zu gründen, um der sogenannten „technokratischen Welt“ zu entkommen, die laut den Schriften von „dunklen Mächten“ beherrscht werde. Zudem ist die Rede vom „Kampf zwischen Gut und Böse“, die westliche Demokratie wird abgelehnt und als „Dämonkratie“ verunglimpft. Die Gruppierung ist dezentral organisiert, hat in Österreich im Jahr 2012 Fuß gefasst und ist vor allem über Telegram vernetzt. Ein Kanal namens „Anastasia Hörbücher“ hat aktuell über 20.000 Abonnentinnen und Abonnenten. Die Anastasia-Bewegung konnte sich bereits mit mehreren Siedlungen in Europa etablieren, insbesondere in Deutschland. In Österreich sind die Anhängerinnen und Anhänger vor allem im Südburgenland aktiv – dort wurde 2021 ein umfangreiches Siedlungsprojekt ins Leben gerufen.

Antisemitismus oftmals gemeinsamer Nenner

Um die Bandbreite des Phänomens des Antisemitismus in extremistischen religiös-politischen Bewegungen aufzuzeigen, hat die Dokumentationsstelle in der zweiten DPI Focus-Ausgabe Megres zehnteilige Anastasia-Buchreihe den Schriften des kürzlich verstorbenen islamistischen Gelehrten Yusuf al-Qaradawi, der als bedeutende Inspirationsquelle für die Muslimbruderschaft gilt, gegenübergestellt. Der Ägypter al-Qaradawi bezieht sich in seinen Ausführungen vor allem auf den israelisch-palästinensischen Konflikt, wobei er jüdische Menschen mit dem Staat Israel gleichsetzt und ihnen unveränderlich negative Eigenschaften unterstellt. Beide Ideologen verbreiten auf eine unterschiedliche Art und Weise antisemitische sowie pauschalisierende Stereotypen. Dabei schreiben sie Jüdinnen und Juden unter anderem die Schuld für ihre eigene Verfolgung

Das Format DPI Focus informiert regelmäßig zu aktuellen und relevanten Ereignissen, Akteurinnen und Akteuren sowie Strukturen des religiös-extremistischen Spektrums. Mit DPI Focus wird das bisherige Publikationsangebot des Fonds um ein deskriptives Format erweitert, das niederschwellig Informationen bereitstellt. Die ersten Ausgaben stehen unter www.dokumentationsstelle.at als Download zur Verfügung.

Quelle/GRAFIK: ©Sascha Krikler, BA MA

 

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