Ein Kometensommer fast wie damals

Ein Kometensommer fast wie damals

Der aktuelle Komet C/2020 F3 „NEOWISE“ aufgenommen mit dem historischen Fernrohr der Kuffner-Sternwarte in Wien Ottakring. Deutlich ist die helle Koma, sozusagen der „Kopf“ des Kometen und der Kometenschweif erkennbar. Aufnahme vom 20. Juli 2020

Erstmals seit fast 25 Jahren ist diesen Sommer wieder ein äußerst auffälliger Schweifstern für das bloße Auge sichtbar. Die zunehmende Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht macht die nächtliche Himmelsbeobachtung aber immer schwieriger.

Verantwortlich für dieses besondere Naturschauspiel ist der Komet mit der wissenschaftlichen Bezeichnung C/2020 F3 (NEOWISE), der von unseren Breiten aus in der zweiten Julihälfte die ganze Nacht lang gesehen werden kann. Lediglich vier- bis fünfmal pro Jahrhundert kommt es vor, dass ein derart beeindruckender Komet am Himmel beobachtet werden kann. Oder sollte man besser sagen „noch beobachtet werden kann?“ Insbesondere über großen Städten wie Wien erhellen künstliche Lichtquellen wie Straßenlaternen und Werbebeleuchtungen zunehmend den Nachthimmel. Der Kontrast zu den Himmelsobjekten wie Sternen und Kometen geht so immer mehr verloren und sie verblassen. Dieses auch Lichtverschmutzung genannte Phänomen hat sich in Wien seit dem letzten auffallend hellen Kometen C/1995 O1 „Hale-Bopp“ im Jahre 1997 fast vervierfacht. Während auch NEOWISE noch mit freiem Auge über Wien gesehen werden kann, könnte dies schon in ein bis zwei Jahrzehnten nicht mehr möglich sein.

Zunehmende Lichtverschmutzung zerstört wertvolle Nachtlebensräume

„Am schönsten zu beobachten ist der Komet fernab großer Städte und künstlicher Lichtquellen“, weiß Christoph Goldmann, Astronom und Wissensvermittler am Naturhistorischen Museum Wien. Bestens geeignet sind in dieser Hinsicht die letzten Gebiete Österreichs mit natürlichem Nachthimmel wie zum Beispiel die Umgebung des Wildnisgebiets Dürrenstein in Niederösterreich und des Nationalparks Kalkalpen in Oberösterreich. „An einzelnen Orten sind dort noch natürliche Nächte ohne Lichtverschmutzung zu finden, die das Kometenphänomen erst in seiner ganzen Dramatik erlebbar machen“ so Goldmann weiter. Damit diese als „Nachtlebensraum“ enorm wichtigen Orte auch künftig erhalten bleiben, widmet sich das vom Naturhistorischen Museum Wien koordinierte Projekt „Lebensraum Naturnacht“ ganz dem Erhalt dieser letzten Naturnacht-Inseln. Um die Bedeutung für die Kometenbeobachtung zu veranschaulichen, hat einer der Projektpartner, der Verein Kuffner-Sternwarte, mit Hilfe von Messungen der Nachthimmelsaufhellung den Unterschied in der Beobachtungsqualität errechnet. In der Stadt Wien wird der Kontrast des Kometen auf 1/25 reduziert, am Stadtrand auf 1/14. In geschützten „Sternlichtoasen“ abseits der Städte reduziert sich der Kontrast immer noch auf 1/4 der am Naturhimmel erkennbaren intensiven Erscheinung.

Beobachtungsstrategien für maximales Kometenvergnügen

Die besten Bedingungen zur Beobachtung des Schweifsterns ergeben sich in den Tagen bis 31. Juli in einem Gebiet in der Steiermark das sich in etwa von Wildalpen im Osten bis zum Lachtal nahe Oberwölz im Westen in Seehöhen ab 1.000m erstreckt. Dort kann der Komet bereits in der späten Abenddämmerung in Richtung Nordwesten als nebeliger Fleck mit dem sprichwörtlichen Schweif beobachtet werden. Im Juli ist das ungefähr eine Stunde nach Sonnenuntergang gegen 21:45 Uhr.

Bis Ende Juli ist wegen der relativen Erdnähe der Schweif so groß, dass er weder in die üblichen Teleskope noch in Ferngläser passt. Die beste Beobachtungsstrategie ist daher, das unbewaffnete Auge auf das Firmament zu richten. Die Sichtbarkeitsperiode für das freie Auge endet voraussichtlich mit dem Anwachsen des Mondlichts Ende Juli. Danach lässt sich der Komet wieder grob im Zeitraum vom 7. bis 25. August am Westhimmel, dann aber am besten mit einem Fernglas, aufsuchen. Die letzte Sichtbarkeitsperiode wird von 3. bis 25. September erwartet. Dann passt der durch die wesentlich größere Distanz zu Erde und Sonne bereits kleiner gewordene Komet auch gut in Fernrohre und ist im Südwesten zu finden. Wichtig ist der richtige Beobachtungsort mit tiefem Horizont und die gute Anpassung der Augen an die Dunkelheit. Dazu sollte mindestens eine halbe Stunde lang nicht in Lichtquellen wie Straßenbeleuchtungen oder auch Handydisplays geschaut werden, für das volle Kometenerlebnis sogar besser bis zu einer Stunde.

Quelle: Naturhistorisches Museum Wien Bakk. Christoph Goldmann Projektleiter,  Mag. Irina Kubadinow Leitung Kommunikation & Medien Pressesprecherin; Mag. Nikolett Kertész, Bakk. BA Kommunikation & Medien, Pressereferentin  //  Fotocredit: G. Wuchterl, N. Fiala, Verein Kuffner-Sternwarte

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