Mittwoch 21. August 2019
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Großes Konvolut an Werken des Künstlers Walter Gramatté (1897–1929) geht als Schenkung ans mumok

Die Arbeiten des Malers, Grafikers und Zeichners stellen eine bedeutende Erweiterung der Expressionismus-Sammlung des Museums moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien dar

Unsere Sammlung der Klassischen Moderne wurde durch diese hochkarätige Schenkung um eine wichtige Facette erweitert. Wir sehen uns nun in der Verantwortung, das beachtliche Oeuvre des so jung verstorbenen Künstlers weiter zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Karola Kraus, Direktorin des mumok, zur Schenkung The Eckhardt-Gramatté Foundation

Wien (OTS) - Das mumok erhält von der Eckhardt-Gramatté Foundation in Winnipeg/Canada eine großzügige Schenkung von Arbeiten des 1929 mit nur 32 Jahren verstorbenen deutschen Künstlers Walter Gramatté. Gramattés Werk ist geprägt von dessen traumatischen Kriegserfahrungen und umfasst vielfach Arbeiten, die Flucht, Tod und Schmerz verhandeln.

Das aus 52 Werken bestehende Konvolut beinhaltet großformatige Porträts aus den Jahren 1917 bis 1928 sowie zahlreiche Entwürfe zu Porträts. Darüber hinaus finden sich Landschaften und szenische Darstellungen in den Techniken Aquarell, Pastell, Zeichnung und Radierung. 

Gramattés Arbeiten in Aquarell stellen auch einen Höhepunkt im Schaffen des Künstlers dar. Sie zeigen eine Narration der 1920er-Jahre, die vom Expressionismus ausgeht, sich dann aber eigene Wege sucht. Wie überhaupt das Werk Gramattés einen Stilpluralismus vertritt, der vom deutschen Expressionismus beeinflusst, zwischen Neuer Sachlichkeit und Phantastischem Realismus mit spannungsvollen Formen experimentiert. 

Karola Kraus, Direktorin des mumok, über diesen gewichtigen Neuzugang: "Unsere Sammlung der Klassischen Moderne wurde durch diese hochkarätige Schenkung um eine wichtige Facette erweitert. Wir sehen uns nun in der Verantwortung, das beachtliche Oeuvre des so jung verstorbenen Künstlers weiter zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen."

Einen Schwerpunkt innerhalb der Schenkung an das mumok bilden Arbeiten, die Gramattés Beschäftigung mit literarischen Werken, allen voran mit Georg Büchners Dramenfragment "Woyzeck", dokumentieren. Walter Gramatté hatte sich in vielen Vorzeichnungen mit dem Drama beschäftigt, um diese schließlich in der Radierungsfolge „Wozzeck“ 1925 in einer finalen Mappe zu edieren. Zum Entstehungsprozess der Wozzeck-Serie schrieb Gramatté am 12. Februar 1925 in einem Brief an den Sammler Paul Rauert: "Es ist wieder alles in sehr starken energischen Linien gearbeitet. Sehr einfach, aber sehr ausgewogen. Wie immer habe ich versucht, das mir Möglichste an innerlicher Spannung zu geben, verhüllt durch fast brutal scheinende Formen und Linien." 

Als Walter Gramattè 1929 starb, war er einem breiten Publikum kaum bekannt. Das änderte sich erst in den letzten Jahren durch das Wirken der Eckhardt-Gramatté Foundation sowie durch eine Ausstellung im Ernst-Barlach-Haus in Hamburg.

The Eckhardt- Gramatté Foundation

Walter Gramatté war mit der Musikerin und Komponistin Sonia Fridman verheiratet, die in zweiter Ehe den Wiener Kunsthistoriker und späteren Direktor der Winnipeg Art Gallery (Winnipeg/Canada) Ferdinand Eckhardt heiratete. Eckhardt wurde zu Gramattés Biograph und Nachlassverwalter. 
http://www.egre.mb.ca/

Im Raum die Zeit lesen. Moderne im Mumok 1910 – 1955

16. November 2019 – 13. April 2020
Ein Teil der Schenkung – die Wozzeck-Serie von 1925 sowie Bühnenbildentwürfe von 1927 – wird in der Ausstellung Im Raum die Zeit lesen (Eröffnung am 15. November 2019) erstmals im mumok zu sehen sein. 
https://www.mumok.at/de/im-raum-die-zeit-lesen

Quelle: OTS  Fotocredit: © mumok, Schenkung The Eckhardt-Gramatté Foundation