Kinder auch jetzt noch gegen Influenza impfen lassen

Kinder auch jetzt noch gegen Influenza impfen lassen

Auftreten von Influenza-Welle nicht vorhersagbar und Kinder gelten als wichtige Überträger

Wenigstens eine gute Nachricht gibt es in diesem Pandemie-Winter: Die befürchtete Influenza-Welle parallel zur Covid-19-Pandemie ist bisher ausgeblieben. Mit Betonung auf dem Wort „bisher“: ExpertInnen sind sich nämlich nicht sicher, dass das so bleiben wird, besonders dann, wenn die Schulen wieder aufsperren. Kinder gelten als Motor der Influenza, weswegen in diesem Winter die Influenza-Impfung für Kinder ins Gratis-Kinderimpfprogramm aufgenommen und die Gruppe der Berechtigten jetzt sogar noch erweitert wurde. Noch nicht geimpfte Kinder können und sollten nach wie vor geimpft werden, empfehlen ExpertInnen.Das gelte besonders dann, wenn diese ihre dann gegen Covid geimpften Großeltern nach dem Ende des Lockdowns wieder besuchen können.

Sehr geringe Influenza-Fallzahlen – bis jetzt

In Europa wurden bis Ende des Jahres 2020 erst einige wenige nachgewiesene Influenza-Fälle registriert.[1] Auch in Österreich wurden bis jetzt kaum Fälle detektiert.[2] ExpertInnen sind sich allerdings nicht so sicher, ob das so bleiben wird. „Es ist durchaus so, dass die Hygienemaßnahmen gegen Covid-19 auch die Influenza hintanhalten“, erläutert Dr. Rudolf Schmitzberger, Kinderarzt in Wien und Leiter des Impfreferates der Österreichischen Ärztekammer. Und ergänzt: „Außerdem haben sich in dieser Saison besonders viele Menschen gegen Influenza impfen lassen. Allerdings stehen wir damit im internationalen Vergleich trotzdem immer noch nicht gut da.“ Er warne allerdings davor, die Influenza-Saison schon für gelaufen zu erklären. „Auch in normalen Wintern kommt es vor, dass die Influenza-Welle manchmal erst relativ spät auftritt und dann bis in den April hinein dauert“, so der Impfreferent.

Kinder als Treiber des Influenza-Geschehens

Kinder sind in besonderem Maß für die Verbreitung der Influenza verantwortlich.[3] „Solange die Schulen geschlossen sind, ist dies weniger der Fall“, sagt Schmitzberger. „Das kennen wir aus der Erfahrung der Vergangenheit zur Genüge. In den Weihnachts- und Semesterferien flacht sich das Infektionsgeschehen oft ab und sobald die Schule wieder beginnt, steigt es steil an.“ Wenn nach dem gegenwärtigen Lockdown die Schulen wieder geöffnet würden, könne es also auch heuer noch zu einer Ausbreitung der Influenza kommen. „Bei Kindergartenkindern ist die Impfung übrigens mindestens so wichtig wie bei Schulkindern, da zwei Drittel von ihnen trotz Lockdown derzeit außer Haus betreut werden“, so Schmitzberger und plädiert dafür, alle noch vorhandenen Influenza-Impfstoffe für Kinder zu nützen. Besonders bei Kindern könne es bei Influenza-Erkrankungen zu schweren Verläufen und auch zu Todesfällen kommen. „Gerade durch den nasalen Impfstoff, der bei Kindern ab zwei Jahren gegeben werden kann, ist ein Schutz vor Influenza bei Kindern ganz ohne Pieks möglich", betont der Kinderarzt.

Großeltern schützen

Modellrechnungen haben außerdem gezeigt, dass die Kinderimpfung sehr wirksam dabei ist, die Ausbreitung der Erkrankung generell einzubremsen oder sogar zu verhindern.3 Auch das ist Grund, jetzt noch möglichst viele Kinder zu impfen. Hinzu komme, dass viele Kinder ihre Großeltern wohl schon einige Zeit nicht gesehen hätten, betont Schmitzberger, und dies sicherlich nachholen würden, sobald diese gegen Covid-19 geimpft seien. „Damit die Großeltern aber nicht Influenza anstatt Covid-19 bekommen, müssen wir die Kinder gegen Influenza impfen. Auch dann, wenn die Großeltern gegen Influenza geimpft sind.“ Der Leitsatz „Junge schützen Alte, Alte schützen Junge“ gelte nach wie vor, auch in der Pandemie. Gerade jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, (noch) nicht geimpfte Kinder impfen zu lassen.

Zwei Teilimpfungen erforderlich

Kinder bis zum vollendenten 9. Lebensjahr benötigen zwei Teilimpfungen im Abstand von mindestens vier Wochen (im ersten Jahr der Impfung). Insgesamt steht das Gratis-Impfprogramm nun allen Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr zur Verfügung. Schmitzberger: „Eltern sollten daher jetzt mit ihren Kindern zur Impfung gehen, damit der Schutz bei Öffnung der Schulen zumindest teilweise und kurz danach voll aufgebaut ist.“ Auch ganz kleine Kinder können geimpft werden, konkret ab einem Alter von sechs Monaten. Hier kann allerdings der nasale Impfstoff noch nicht eingesetzt werden. „Gerade bei Babys und Kleinkindern, die in Gemeinschaftseinrichtungen betreut werden, ist die Influenza-Impfung anzuraten“, betont Schmitzberger. „Man kann sich nicht darauf verlassen, dass die Corona-Maßnahmen auch die Influenza-Saison verhindern werden. Daher: Lassen Sie Ihre Kinder gegen Influenza impfen. Sicher ist sicher. Überimpfen kann man nicht. Das gilt übrigens auch für Erwachsene, die die Influenza-Impfung diese Saison noch nicht in Anspruch genommen haben.“

[1] https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/influenza-virus-characterisation-december-2020, zuletzt abgerufen am 18.1.2021

[2] https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/grippe/, zuletzt abgerufen am 18.1.2021

[3] Österreichischer Impfplan 2021

Quelle: Mag.a Uta Müller-Carstanjen Fine Facts Health Communication; Mag. Bernhard Prager 
Generalsekretär des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller / ots  //  Fotocredit: Symbolfoto

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