Kunstmeile Krems - Neue Ausstellungen in der Landesgalerie Niederösterreich, im Forum Frohner und in der Dominikanerkirche

Kunstmeile Krems - Neue Ausstellungen in der Landesgalerie Niederösterreich, im Forum Frohner und in der Dominikanerkirche

Ausstellungsansicht Antworten auf die Wirklichkeit

Das kommende Wochenende steht ganz im Zeichen der neuen Herbstausstellungen auf der Kunstmeile Krems: Ab 12. September ist in derLandesgalerie Niederösterreich die Gruppenausstellung „Spuren und Masken der Flucht“ zu sehen. Im Forum Frohner – nur wenige Gehminuten vom neuen Ausstellungshaus an der Kunstmeile Krems entfernt – startet die Schau „Antworten auf die Wirklichkeit. Adolf Frohners Begegnung mit dem Nouveau Réalisme“. In der Dominikanerkirche präsentiert das museumkrems in Kooperation mit der Kunsthalle Krems die Rauminstallation „Roman Pfeffer. Helix Stimulator. LEAVE THE PLANET”.

In einer Pressekonferenz wurden heute in der Zentralen Halle der Kunsthalle Krems die Inhalte der Ausstellungen in Anwesenheit von Künstler/innen vorgestellt.

FLUCHTERFAHRUNGEN ALS LEBENSREALITÄT

Mit Malereien, Fotografien, Videoarbeiten, Installationen und Skulpturen widmet sich „Spuren und Masken der Flucht“ einem der gesellschaftspolitisch relevantesten Themen unserer Zeit. Die Kunstausstellung möchte jenseits von kolportierten (Flüchtlings-)Zahlen und Fakten, jenseits medialer Aufregungen und politischer Debatten mittels einzelner künstlerischen Positionen und Werke individuelle Geschichten erzählen.

Die Schau vereint Arbeiten von knapp vierzig Künstler/innen ab 1945 bis heute. Gezeigt werden etwa Kunstwerke des Malers und Zeichners Adel Dauood, der Documenta-Künstlerin Danica Dakić oder des Bildhauers Zbyněk Sekal, der 2002 in der Kunsthalle Krems zu sehen war. Einen direkten Bezug zu Krems hat auch Ramesch Daha, deren Wandmalerei an der Justizanstalt Stein sich in unmittelbarer Nähe zur Landesgalerie Niederösterreich befindet. Vertreten sind zudem Deborah Sengl, deren Escape-Room noch bis Ende des Jahres im MuseumsQuartier Wien Fluchterlebnisse emotional nachempfinden lässt, Sepp Brudermann, dessen Arbeit in den USA bereits beim Sundance Film Festival gezeigt wurde, oder der als Kriegsfotograf berühmt gewordene Robert Capa. Dora Kallmus, die berühmteste Portrait- und Modefotografin in Österreich zu ihrer Zeit, zeigt Fotografien von Menschen in Flüchtlingslagern der frühen Nachkriegszeit. Der Fotojournalist Erich Lessing dokumentiert den Ungarischen Volksaufstand 1956. Wichtige Werke aus den Landessammlungen Niederösterreich liefern etwa Anna Jermolaewa, Eva Brunner-Szabo oder Carl Zahraddnik, der im Widerstand gegen das NS-Regime gekämpft, Haft und Internierungslager überlebt und diese Erlebnisse in seinen Zeichnungen und Malereien verarbeitet hat.

„Unsere Gegenwart ist von Erlebnissen und Schicksalen geflüchteter Menschen geprägt, die oft von weit entfernten Ländern zu uns gefunden haben. Die daraus erwachsende Herausforderung, aber auch die bereichernde Seite dieser gesellschaftlichen Veränderungen bilden heute einen zentralen Bestandteil unserer Lebensrealität, die in unserem Haus thematisiert werden muss. In direkter Nachbarschaft zur großen Wachau-Ausstellung zeigt ‚Spuren und Masken der Flucht‘, wie sehr der Heimatbegriff heute neu gedacht und formuliert werden muss“, so Christian Bauer, künstlerischer Direktor der Landesgalerie Niederösterreich.

„Das Bestreben der Ausstellung ist es, die Zwischentöne, die in den Massenmedien meist verloren gehen, hörbar und bisher auch weniger bekannte Aspekte der Flucht und ihre Rahmenbedingungen sichtbar zu machen. Es geht nicht um die Inszenierung der Geflohenen als Individuen, sondern um individuelle künstlerische Perspektiven des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart“, halten die Kuratoren Günther Oberhollenzer und Georg Traska fest.

BEGEGNUNGEN MIT DEM NOUVEAU RÉALISME

Das Forum Frohner im ehemaligen Minoritenkloster in Krems-Stein ist dem österreichischen Künstler Adolf Frohner (1934–2007) gewidmet. Impulsgebende Themenbereiche aus Frohners Werk und Wirken werden aufgegriffen und in wechselnden Ausstellungen mit nationalen und internationalen Künstler/innen in Beziehung gesetzt. Ab 12. September begibt sich „Antworten auf die Wirklichkeit. Adolf Frohners Begegnung mit dem Nouveau Réalisme“ auf die Spuren der Nouveaux Réalistes. In den 1960er-Jahren reiste Adolf Frohner mehrfach nach Paris und begegnete dort erstmals dem Nouveau Réalisme. Besonders Frohners Materialbilder, Objekte und Assemblagen der 1960er-Jahre weisen deutliche Bezüge zum Nouveau Réalisme auf. Damit eröffnet sich eine neue Perspektive auf Frohners Werk aus dieser Zeit, aber auch auf seine Ikonografie des Figürlichen der späten 1960er- und 1970er-Jahre.

Gezeigt werden zentrale Werke aus der Sammlung des mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Zu sehen sind neben Adolf Frohner Arbeiten des Verhüllungskünstlerpaares Christo und Jeanne-Claude, des Bildhauers César, des Malers und Bildhauers Raymond Hains und des Künstlers Daniel Spoerri. Aus Anlass seines diesjährigen 90. Geburtstages bildet Spoerris Position einen Schwerpunkt der Ausstellung. „Die Schau öffnet einen neuen Blick auf die österreichische Kunstgeschichte. Highlights der losen Künstlergruppe der Nouveaux Réalistes sind Schlüsselwerken Adolf Frohners gegenübergestellt und öffnen den Diskurs zwischen den einzelnen künstlerischen Positionen und die Debatte über aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen“, so die Kuratorinnen Elisabeth Voggeneder und Susanne Neuburger.

ALLTAGSOBJEKTE NEU INTERPRETIERT

In der Dominikanerkirche wird eine Installation des österreichischen Künstlers Roman Pfeffer präsentiert. „Roman Pfeffer. Helix Simulator. LEAVE THE PLANET“ ist eine Ausstellung des museumkrems in Kooperation mit der Kunsthalle Krems. Sie besteht im Kern aus zwei umstrukturierten Ruderbooten. Ein Olympia-Achter wird zweckentfremdet und in 16 Segmente geteilt. Die dadurch entstandene Helix-ähnliche geschwungene Linie zieht sich vom gotischen Hochchor der Dominikanerkirche bis in das Hauptschiff empor. Das zweite Ruderboot steht vertikal im Raum, wie eine Rakete, die in den Raum zu starten scheint. Florian Steininger, Direktor der Kunsthalle Krems, und Gregor Kremser, Kurator der Ausstellung: „Die Neuinterpretation von Alltagsobjekten ist ein zentrales, immer wiederkehrendes Element im künstlerischen Werk Roman Pfeffers. Mit bewusst ironischem Unterton dekonstruiert er genussvoll scheinbar fixe Ordnungssysteme.“

AUSSTELLUNGEN:

Landesgalerie Niederösterreich
„Spuren und Masken der Flucht“
12.09.2020–26.09.2021

Forum Frohner
„Antworten auf die Wirklichkeit. Adolf Frohners Begegnung mit dem Nouveau Réalisme“
12.09.2020–05.04.2021

Dominikanerkirche
„Roman Pfeffer. Helix Stimulator. LEAVE THE PLANET”
Eine Ausstellung des museumkrems in Kooperation mit der Kunsthalle Krems
13.09.–01.11.2020
 

Quelle: Mag. Maria Schneeweiß, MA Kunstmeile Krems / ots  //  Fotocredit: Ausstellungsansicht Antworten auf die Wirklichkeit © Raffael F. Lehner
 

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