Lotte Tobisch Nachlaß an Wienbiblitothek übergeben

Lotte Tobisch Nachlaß an Wienbiblitothek übergeben

Der Lotte Tobisch Nachlass in der Wienbibliothek der Stadt Wien. v.li.n.re. StRin Veronica Kaup-Hasler, Dir.in Anita Eichinger – Wienbibliothek, Barbara Urbanek – Cousine von Lotte Tobisch

Die im vergangenen Jahr verstorbene Schauspielerin Lotte Tobisch (1926–2019) zählte zu den prägendsten Persönlichkeiten des Wiener Gesellschafts- und Kulturlebens. Teile ihres Nachlasses wurden nun der Wienbibliothek im Rathaus übergeben: Der Bestand umfasst 14 Archivboxen ebenso wie drei Boxen mit einem Teilnachlass des Schriftstellers und Dramaturgen Erhard Buschbeck (1889–1960). Die darin enthaltenen Briefe, Postkarten, Adress- und Fotobücher dokumentieren auf eindrucksvolle Weise ein Leben zwischen bunter Populär- und intellektueller Hochkultur.

„Es freut mich außerordentlich, dass Lotte Tobisch darauf bestanden hat, dass diese wichtigen Dokumente ihres facettenreichen Lebens der Wienbibliothek im Rathaus überantwortet werden. Dieser Nachlass ist für das kulturelle Gedächtnis der Stadt und ihrer Bewohner*innen von Bedeutung, weshalb wir der wissenschaftlichen Aufarbeitung mit großem Interesse entgegenfiebern“, erklärt dazu Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

Einer breiten Öffentlichkeit war Lotte Tobisch als Grande Dame des Opernballs bekannt, den sie 16 Jahre lang (1981–1996) organisiert hatte. Die im Nachlass enthaltenen Fotoalben aus dieser Zeit zeichnen ein Porträt des Wiener Gesellschaftslebens und seiner Protagonist*innen. (Bild 3) Darüber hinaus beleuchten die der Wienbibliothek im Rathaus übergebenen Dokumente aber vor allem auch Tobischs soziales und gesellschaftspolitisches Engagement und ihr bis zuletzt reges Interesse an intellektuellem Austausch.

Briefwechsel mit Theodor W. Adorno

Aus ihrer Freundschaft mit dem Philosophen Theodor W. Adorno entstand zwischen 1962 und dessen Tod 1969 ein reger Austausch: eine Vielzahl der etwa 290 Briefe, Ansichtskarten und Telegramme liegt im Teilnachlass im Original vor. Sie zeigen eine Freundschaft über die Generationen, über die sozialen Positionen, die Formen der Intellektualität und die Temperamente hinweg.

Ab 1962 verfasste Lotte Tobisch für verschiedene Wochenzeitschriften Artikel über Literatur. Die Korrespondenzen im Nachlass belegen, dass sie darüber hinaus auch mit Größen des geistigen und kulturellen Lebens verbunden und befreundet war, darunter u. a. Günter Anders, Carl Djerassi, Udo Jürgens, Christine Lavant, Luciano Pavarotti, Friedrich Torberg, Oskar Werner, Fritz Wotruba und Carl Zuckmayer. Private Fotoalben beleuchten weiters ihr umfangreiches Netzwerk in der Kulturszene: u. a. gibt es darin Bilder aus dem Jahr 1996 mit Fritz Muliar und Elfriede Ott.

„Am Bestand einer Persönlichkeit wie Lotte Tobisch zeigt sich, dass es keine eindeutige Grenze zwischen einer sogenannten ‚High Society‘ und einer intellektuellen Hochkultur gibt“, betont Wienbibliothek-Direktorin Anita Eichinger. „Für die Forschung relevant ist sicherlich auch, dass durch diesen Teilnachlass einmal mehr zahlreiche Verbindungslinien zu den bereits in der Wienbibliothek im Rathaus vorhandenen Beständen gezogen werden können, z. B. zu den Nachlässen Günther Hamann, Fritz Hochwälder, Ernst Lothar, Marcel Prawy, Friedrich Torberg oder Hans Weigel.“

Mit 90 Jahren wurde Lotte Tobisch noch als Kolumnistin des Wochenmagazins „News“ engagiert und äußerte sich bis kurz vor ihrem Tod in ihren Texten zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Eine Sammlung dieser Kolumnen liegt als Zeitschriftenausschnitte vor. Auch ihr soziales Engagement hielt Tobisch bis zuletzt aufrecht und nutzte ihre Bekanntheit, um als Präsidentin Spenden für den Verein „Künstler helfen Künstlern“ zu sammeln.

Bühne, Film und Fernsehen

Bereits 1945 stand Lotte Tobisch auf der Bühne des Burgtheaters und arbeitete später als Schauspielerin außerdem für Rundfunk, Fernsehen und Film. Die Dreharbeiten zum Musikfilm „Don Juan“ (1955), in dem Tobisch u. a. an der Seite von Josef Meinrad die Donna Elvira spielte, werden im Nachlass ebenso durch Fotos dokumentiert wie jene zum Führerbunkerdrama „Der letzte Akt" (1955), in dem sie u. a. neben Oskar Werner in der Rolle der Eva Braun zu sehen ist.

Am Burgtheater lernte Tobisch in den 1940er Jahren den Schriftsteller und Dramaturgen Erhard Buschbeck (1889–1960) kennen, mit dem sie bis zu dessen Tod eine Lebensgemeinschaft verband. Im Teilnachlass liegen Korrespondenzen und Dokumente betreffend die Zeitschrift „Der Ruf“ aus der Zeit der Mitherausgeberschaft Buschbecks und danach vor, u. a. ein Brief von Rainer Maria Rilke an Buschbeck. Weitere Korrespondenzen finden sich in einem Autor*innenkonvolut (Franz Werfel u. a.) und einem Schauspieler*innenkonvolut (Käthe Dorsch u. a.).

Nach den nötigen archivarischen und konservatorischen Maßnahmen werden die Dokumente aus dem Nachlass so aufgearbeitet, dass sie in die Benützung gehen können. In der Regel wird jeder Bestand dazu in vier Hauptgruppen unterteilt: Werke, Korrespondenzen, Lebensdokumente – wie Fotos oder Adressbücher – sowie unterschiedliche Sammlungen wie z. B. die Dokumentation des Opernballs in Form von Zeitungsausschnitten.

Quelle: Valerie Besl, Mag. Alfred Strauch Mediensprecher StRin Mag.a Veronica Kaup-Hasler / ots  //  Fotocredit: Alexandra Kromus/ PID

 

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