MAK zeigt "MAYFLY. Functional Collages"

MAK zeigt "MAYFLY. Functional Collages"

Anton Defant und Benjamin Nagy, MAYFLY. Functional Collages, 2021 © Werkstätte für digitale Fotografie, Universität für angewandte Kunst Wien

Mit dem Projekt "MAYFLY. Functional Collages" (20. Oktober – 21. November 2021) holen die jungen Designer Anton Defant und Benjamin Nagy Circular Design und kreislauffähige Abfallwirtschaft in die MAK GALERIE. Aus weggeworfenen Materialien entwerfen sie neue, funktionale und verwendbare Objekte, deren Lebenszyklus im Müll ansetzt – also dort, wo ausrangierte Objekte oder Bauteile ihre Funktion verlieren. Wie viel Potenzial Material von der Müllhalde bieten kann, zeigen Defant und Nagy unter anderem mit einem Regal aus einem Kanalgitter, einem aus einem ehemaligen Server-Rack designten Stuhl oder mit einer schicken Stehleuchte, die in ihrem früheren Lebenszyklus als Metallregal diente.

Die traditionelle Rollenverteilung von Autor*in und Produzent*in stellen Defant und Nagy mit "MAYFLY" (zu Deutsch „Eintagsfliege“) auf den Kopf: Die Objekte werden nicht vorausgeplant, sondern ausschließlich durch die gerade vorhandenen Elemente und Materialien definiert. Die „geborgenen“ Bestandteile werden unter möglichst sparsamem Einsatz von Werkzeugen neu gestaltet, ohne radikale Veränderungen des Materials. Die Designer lassen sich ganz vom Prinzip der Improvisation leiten. 

Präsentiert werden die Objekte in einem Display, das einerseits die Metapher der Sandkiste als Spiel- und Experimentierfeld und andererseits nahezu archetypische, schon von Kindern instinktiv erprobte Handlungen aufnimmt: Stapeln, Formen mit bloßen Händen oder Falten und Biegen von dreidimensionalen Objekten. Das Material nimmt Form an und wird wieder zerstört, bleibt aber immer im Kreislauf. 

Ihre schnelle, selbstbestimmte Bearbeitung gibt den "MAYFLY"-Objekten eine spielerische Unmittelbarkeit. Die Designer greifen damit auch den bereits in den 1960er und 1970er Jahren entbrannten Diskurs über die fortschreitende Trennung zwischen kreativer Idee und industrieller Produktion auf. Der weltbekannte italienische Designer Enzo Mari nahm schon mit seinem Handbuch zur Selbstgestaltung ("Autoprogettazione?", Edizioni Corraini,Mailand 1974) prophetisch die heutigen Fragen des Open-Source-Designs und der Co-Creation-Prozesse vorweg.

Mit zunehmender Awareness über die Auswirkungen des seit der Industrialisierung vorherrschenden linearen Wirtschaftsmodells stehen kreislauffähige Gestaltungsprinzipien vermehrt im Fokus: Wiederverwendung oder Recycling von gebrauchtem Material sowie Zero-Waste-Ansätze haben in Architektur und Design unter dem Begriff des „Circular Design“ Eingang gefunden. 

Designer*innen haben nicht nur die Möglichkeit, Konsumwünsche zu wecken und zu erfüllen, sie können mit nachhaltiger Gestaltung auch auf die Ressourcenkapazität und Verwertungskreisläufe reagieren. Genau darauf zielen Anton Defant und Benjamin Nagy mit "MAYFLY" ab: Sie hinterfragen die Potenziale von Knappheit in einer Welt nach dem Überfluss und inspirieren zu einer Neubewertung von „Abfallmaterial“.

"MAYFLY" ist Teil des MAK-Programms zur VIENNA ART WEEK und nimmt direkt auf das diesjährige Thema Losing Control Bezug. Die ART WEEK greift damit zwei aktuell unseren Alltag bestimmende Szenarien auf: die Covid-19-Pandemie und die Klimakrise. Der Klimawandel war auch das bestimmende Thema der vom MAK initiierten, diesjährigen VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2021. 

Im Rahmen der VIENNA ART WEEK lädt das MAK am Dienstag, 16. November 2021, 18:00 Uhr, zur Dialogführung durch die Ausstellung "MAYFLY. Functional Collages" mit den Designern Anton Defant und Benjamin Nagy sowie Marlies Wirth, Kuratorin Digitale Kultur, Kustodin MAK-Sammlung Design.

Quelle: MAK-Presse und Öffentlichkeitsarbeit Judith Anna Schwarz-Jungmann (Leitung) Sandra Hell-Ghignone, Ulrike Sedlmayr / ots  //  Fotocredit: © Universität für angewandte Kunst Wien

 

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