Naturgefahren auf Wanderwegen objektiv bewerten

Naturgefahren auf Wanderwegen objektiv bewerten

Mit dem Bewertungsmodell R.A.G.N.A.R. hat der Alpenverein in einer Expertengruppe ein vielversprechendes Werkzeug für Wegehalter entwickelt. Im Bild: Wegsperre (Alpenverein/Walter Würtl)

„Weg aufgrund von Steinschlag gesperrt!“: Ein Hinweis, auf den Wanderer und Bergsteiger in den Alpen immer häufiger stoßen. Auch vermeintlich sichere Wege können plötzlich von Felsstürzen oder Vermurungen betroffen sein und lassen damit Haftungsfragen aufkeimen. Wie lässt sich das Risiko in diesem Gelände objektiv beurteilen und managen? Wie können die zuständigen Wegehalter ihren Umgang mit den Risiken begründen und Wanderern und Bergsteigern weiterhin ein Maß an Eigenverantwortung zugestehen? Mit dem Bewertungsmodell R.A.G.N.A.R. hat der Alpenverein in einer Expertengruppe ein vielversprechendes Werkzeug dafür entwickelt.

„Wege können nicht besenrein sein“

26.000 Kilometer an Wander- und Bergwegen betreut der Österreichische Alpenverein in Österreich. Doch „besenrein“ können diese Wege beim besten Willen nicht sein, sagt Peter Kapelari, Leiter der Abteilung für Hütten, Wege und Kartografie im Alpenverein: „Das Risiko von Steinschlag, Vermurungen oder Felsstürzen lässt sich natürlich auch auf einem gewarteten Weg nicht ganz ausschließen. Unsere ehrenamtlichen Wegewarte stehen daher immer wieder vor der schwierigen Frage, ob sie solche Ereignisse noch als ‚typische alpine Gefahr‘ werten können oder ob sie, um rechtlich ‚auf der sicheren Seite‘ zu sein, nicht doch präventive Sperren veranlassen müssen – was oft in dauerhaften Wegsperrungen mündet, die nur schwer wieder aufzuheben sind.“ In einer Expertengruppe hat der Alpenverein nun ein Werkzeug entwickelt, das Wegewarte und Wegehalter in solchen Situationen unterstützen und eine objektive Entscheidungsgrundlage liefern soll.

Risikobewertung und Maßnahmen zur Risikosenkung

R.A.G.N.A.R., oder „Risiko Analyse Gravitativer Naturgefahren im Alpinen Raum“, erörtert anhand genauer Kriterien die bestehenden Gefahren auf einem Wander- oder Bergweg und bindet auch die lokalen Gebietskenner mit ihrer Expertise ein. Ist das Risiko höher als das definierte Schutzziel, kann mit bestimmten Maßnahmen gegengesteuert werden. Empfohlene Maßnahmen sind je nach Risikoeinschätzung organisatorische Maßnahmen (z.B. Warntafeln), bauliche Maßnahmen wie Beräumungen oder Wegverlegungen und erst in letzter Konsequenz raumplanerische Maßnahmen wie die temporäre oder permanente Sperre eines Weges. Nicht ausschließen lässt sich trotz aller Maßnahmen das Restrisiko, das dem Wanderer und Bergsteiger immer ein Maß an Eigenverantwortung und Kompetenz abverlangt.

„Mit R.A.G.N.A.R. bekommen die Wegehalter ein Werkzeug in die Hand, anhand dessen sie das Naturgefahrenrisiko auf objektive Art und Weise beurteilen können. Aufgrund der Einbeziehung von empirischen Daten wird die tatsächliche Gefahrenlage plausibel bewertet und sichergestellt, dass eine Gefahr nicht unterschätzt wird. Im Schadensfall ist damit eine umfassende Argumentation und Dokumentation für den Wegehalter gegeben, die weit über der rechtlichen Sorgfaltspflicht steht“, erläutert Peter Kapelari vom Alpenverein die Vorteile der neuen Entscheidungshilfe. 

Online-Rechner für erste Bekanntschaft mit R.A.G.N.A.R.

Ein Einblick in das Analyse-Tool R.A.G.N.A.R. bietet der Online-Rechner auf www.bergwelt-miteinander.at/ragnar. Er ermöglicht Wegehaltern eine erste Risikoeinschätzung an einzelnen Gefahrenstellen, Wanderer wiederum werden darin interaktiv an die Anforderungen der verschiedenen Wegekategorien herangeführt. 
 

Finanzielle Unterstützung für die Erhaltung der Wege und Hütten

Die Sanierung von Wanderwegen sowie die Umsetzung der baulichen oder organisatorischen Maßnahmen zur Risikosenkung sind für den Alpenverein nicht nur zeit- sondern auch kostenintensiv. Finanziell unterstützt werden größere Sanierungsmaßnahmen durch den Katastrophenfonds des Alpenvereins, der sich aus Mitgliedsbeiträgen und der langjährigen Unterstützung durch Handl Tyrol als Partner des Alpenvereins zur Erhaltung der Wege und Hütten zusammensetzt. Dank dieser Hilfe kann der Alpenverein auch bei unvorhergesehenen Wegschäden und nach Unwetterereignissen schnell tätig werden.

„Der Schutz der Natur und unserer Alpen ist eine Herzensangelegenheit. Deshalb macht es eine große Freude, den Alpenverein bei seiner wichtigen Arbeit entsprechend unterstützen zu können. Denn der Aufstieg auf den Berg und das Naturerlebnis wäre ohne Wege und Schutzhütten nur einer kleinen Minderheit vorbehalten“, begründet Handl Tyrol Geschäftsführer Karl Christian Handl die Zusammenarbeit. 
 

Quelle: Mag. Peter Neuner Österreichischer Alpenverein Öffentlichkeitsarbeit / ots  //  Fotocredit: Alpenverein/Walter Würtl

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