Neue Stammsaisonnier-Regelung soll Tourismus dringend benötigte Fachkräfte bringen

Neue Stammsaisonnier-Regelung soll Tourismus dringend benötigte Fachkräfte bringen

Arbeitsgespräch und Lokalaugenschein von Arbeitsminister Martin Kocher und Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner heute im Parkhotel Stroissmüller in Bad Schallerbach – v.l.: Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner und Arbeitsminister Martin Kocher

Der rasche und kräftige Wirtschaftsaufschwung nach dem Corona-bedingten Einbruch wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus: Erstmals seit der Corona-Pandemie ist die Zahl der Arbeitslosen in Oberösterreich wieder auf unter 30.000 gesunken – konkret auf 29.957 Personen. Zugleich steigt die Zahl der offenen Stellen in Oberösterreich auf mehr als 31.000. Besonders betroffen von der steigenden Nachfrage nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der Tourismus. „Abhilfe soll hier eine neue, praxistauglichere Stammsaisonnier-Regelung bringen“, kündigte Arbeitsminister Martin Kocher im Rahmen eines Arbeitsgesprächs mit Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat Markus Achleitner in Bad Schallerbach an. „Der Tourismus zählt zu jenen Branchen, die von den Auswirkungen der Pandemie am stärksten betroffen war. Jetzt hat er wieder aufgeholt – in der bisherigen Sommersaison wurden bereits wieder um ein Viertel mehr Nächtigungen in Oberösterreich gezählt als im Vorjahr. Um auf diesem Wachstumskurs zu bleiben brauchen die Betriebe aber dringend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine wichtige Stellschraube sind hier die Saisonarbeitskräfte, die Entlastung bei der Personalsuche bringen. Es ist sehr erfreulich, dass Arbeitsminister Martin Kocher unsere Vorschläge für eine unbürokratische Möglichkeit zur Erhöhung des Saisonnier-Kontingents aufgegriffen hat“, stellte Landesrat Achleitner dazu fest.

„Als tourismusgeprägtes Land ist in Oberösterreich das Stellenangebot in Tourismus und Gastronomie besonders groß, derzeit gibt es hier rund 2.500 offene Stellen im Tourismus. Das bedeutet, wir verzeichnen eine Schieflage zwischen Jobangebot und Jobnachfrage. Wir müssen daher alles daran setzen, Betriebe und potentielle Arbeitskräfte zusammenzuführen, um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Unser oberstes Ziel bleibt es, arbeitslose Menschen, die hier in Österreich beim AMS gemeldet sind, in Beschäftigung zu bringen“, erklärte Arbeitsminister Kocher.

„Es ist aber offensichtlich, dass selbst Betriebe mit sehr guten Arbeitsbedingungen Schwierigkeiten haben, offene Stellen mit heimischen Arbeitskräften zu besetzen. Vor allem auch in Oberösterreich, wo die Arbeitslosenquote dank der erfolgreichen Arbeitsmarktpolitik mit 4,5 Prozent relativ niedrig ist. Wo definitiv keine heimischen Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, braucht es deshalb auch die Möglichkeit Saisoniers zu beschäftigen“, so Arbeitsminister Kocher.

Die Stammsaisonier-Regelung betrifft Personen aus Drittstaaten, die über Jahre hinweg in der Saison zum Arbeiten nach Österreich kommen, d.h. es geht hier um erfahrene Arbeitskräfte, die vor allem in der Sommer- und der Wintersaison gebraucht werden. Es gibt im Tourismus und in der Landwirtschaft derzeit ein Kontingent von 4.400 Stellen für Saisonkräfte. Saisoniers können nur im Rahmen des verfügbaren Kontingents angestellt werden. Das gilt auch für Arbeitskräfte, die schon lange in der Saison in Österreich arbeiten und mit den Betrieben vertraut sind.

„Mein Ziel ist daher - und ich habe darüber auch schon entsprechende Gespräche geführt - eine praxistauglichere Stammsaisonier-Regelung. Denn es ist wichtig zu berücksichtigen, wenn jemand über mehrere Jahre hinweg immer wieder in Österreich beschäftigt wurde. Von einer solchen Regelung profitieren viele lokale Betriebe, weil sie offene Stellen leichter mit Arbeitskräften besetzen können, die teilweise saisonabhängig über viele Jahre hier arbeiten, die sie gut kennen und die mittlerweile für den Betrieb unverzichtbar geworden sind“, hob Arbeitsminister Kocher hervor.

„Wir schaffen damit also mehr Verlässlichkeit für Betriebe. Es profitieren aber auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die dadurch leichter den Betrieb wechseln können. Saisoniers sind ein bedeutender Faktor, um vor allem den Arbeitskräftebedarf in Tourismus und Gastronomie mit qualifizierten Arbeitskräften zu decken. Ich bin überzeugt, dass wir hier eine gute Lösung finden werden, die sowohl Beschäftigten als auch Betrieben zu Gute kommt. Vor allem angesichts des Fachkräftebedarfs und der derzeit hohen Zahl an offenen Stellen ist das besonders wichtig, um die wirtschaftliche Dynamik nicht zu bremsen“, unterstrich Arbeitsminister Dr. Martin Kocher.

„Den 29.957 arbeitssuchenden Personen in Oberösterreich stehen exakt 31.218 offene Stellen gegenüber: Beträgt das Verhältnis Arbeitslose zu offenen Stellen am gesamten oberösterreichischen Arbeitsmarkt damit in etwa 1:1, so stellt sich die Situation im Bereich ‚Beherbergung und Gastronomie‘ weit angespannter dar“, zeigte Landesrat Achleitner auf. Im Bereich „Beherbergung und Gastronomie“ gibt es in Oberösterreich aktuell 2.481 offene Stellen. Diese verteilen sich auf 1.761 offene Stellen in der Gastronomie und 720 offene Stellen im Beherbergungs-Bereich. Insgesamt sind das um 1.296 mehr offene Stellen bzw.109,4 % mehr als im August 2020. Gleichzeitig gibt es im Wirtschaftszweig „Beherbergung und Gastronomie“ 1.486 Arbeitslose in Oberösterreich (1.156 Arbeitslose Gastronomie, 330 Arbeitslose Beherbergung), das sind 1.149 bzw. 43,6% weniger als im August 2020. 

„Bedenkt man, dass viele Arbeitssuchende aus der Tourismusbranche sich beruflich verändern wollen und der Branche nicht mehr zur Verfügung stehen, wird die Kluft zwischen dem Bedarf an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den zur Verfügung stehenden Arbeitssuchenden noch größer. Das bremst die Unternehmen, für die es nach den hinter ihnen liegenden schwierigen Monaten umso wichtiger ist, dass ihr Betrieb wieder volle Fahrt aufnehmen kann“, betonte Landesrat Achleitner. „Ich habe mich deshalb bei Arbeitsminister Kocher intensiv für eine Erhöhung des Kontingents für Saisonarbeitskräfte im Tourismus eingesetzt. Es ist sehr erfreulich, dass der Bundesminister dazu jetzt eine unbürokratische Lösung angekündigt hat“, so Landesrat Achleitner.

„Faktum ist, dass es beim AMS, das jeden einzelnen Kontingentplatz prüfen muss, Wartelisten für Saisonarbeitskräfte gibt und es kaum einen Spielraum bei der Verteilung gibt. Für die Betriebe ist es daher sehr schwierig, eine Saisonkraft zu erhalten. Umso wichtiger ist, dass rasch gehandelt wird und die neue ‚Stammsaisonnier-Regelung‘ rasch umgesetzt wird. Denn damit würden Arbeitskräfte, die in den vergangenen Jahren bereits mehrmals in Österreich beschäftigt waren, nicht mehr in das Kontingent gerechnet werden“, bekräftigte Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat Markus Achleitner.

Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche mit Beeinträchtigung
Auch die Verbesserung der Chancen von Jugendlichen mit Beeinträchtigung sind  Arbeitsminister Martin Kocher und Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner ein besonderes Anliegen. Daher besuchten sie heute auch den Joker Hof Tollet des OÖ.Zivilinvalidenverbandes, auf dem es 63 Ausbildungsplätze für Jugendliche mit Beeinträchtigung gibt.

Quelle: Land OÖ  //  Fotocredit: Land OÖ/Ernst Grilnberger

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