Offene Glasfaser-Infrastrukturen sind der Weg zur flächendeckenden Breitbandversorgung

Offene Glasfaser-Infrastrukturen sind der Weg zur flächendeckenden Breitbandversorgung

LHStv.in. Dr.in. Gaby Schaunig mit Heinz Pabisch, CMG/aggfa und Vortragenden beim Fiberday 2021

Die Trennung von Infrastruktur und Diensten in der Telekommunikation ist ein gleichermaßen wiederkehrendes, wie heftig umstrittenes Thema. Diese Diskussion dürfte aber nun durch veränderte Rahmenbedingungen beendet sein. Denn die Herstellung von Infrastrukturen wird für die Telekommunikations-Industrie wirtschaftlich immer weniger sinnvoll. Die Nutzung von offenen Glasfaser-Infrastrukturen, wie diese immer öfter auch als öffentliches Gut in Österreich errichtet und angeboten werden, ermöglicht allen Dienste-Anbietern Zugang zu den Konsumenten. Am CMG Fiberday 2021 in Klagenfurt wurden die Erfolgsmodelle präsentiert.

Langjährige und stete Forderungen nach ultra-schnellen Telekommunikations-Verbindungen für alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche werden durch die Erfahrungen aus der Pandemie zusätzlich erhärtet. Die Verfügbarkeit von Internet-Anschlüssen im Gigabit-Bereich ist jedenfalls für Betriebe, Berufstätige mit Home-Office, Selbständige und Studierende zu einem Kernkriterium in der Standortwahl geworden. Zusätzlich stellen die Auswirkungen von CORONA viele Industrien vor neue Probleme: Massive Produktions- und Lieferengpässe verzögern nicht nur den globalen Warenfluss, sondern wirken sich auf die Wirtschaftlichkeit bewährter Geschäftsmodelle aus. Das betrifft auch Telekom-Unternehmen mit eigener Infrastruktur.

Glasfaser-Infrastrukturen als Allgemeingut?

Investitionen in leistungsfähige, langlebige und weitgehend verzögerungsfreie Glasfaser-Infrastrukturen werden grundsätzlich sowohl für Festnetz als auch für neue Mobilfunkstandards wie 5G benötigt. Der erhebliche Kostenaufwand rechtfertigt heute jedoch nicht mehr die exklusive Nutzung. Das Teilen von
Infrastrukturen wird eine Grundlage für Profitabilität! Damit entsteht auch ein Auftrag für kommunale Verwaltungen, und dies nicht nur im ländlichen Raum. Offene, Glasfaser-basierte Gemeindenetze tragen zur flächendeckenden Breitbandversorgung bei. Sie erschließen Telekom-Anbietern neue Zielgruppen und eröffnen Konsumenten eine Vielzahl weiterer Dienste. Nicht zuletzt spielt auch der Klimaschutz eine gewichtige Rolle: Bestehende Kupfernetze können abgeschaltet werden, wodurch der Stromverbrauch erheblich reduziert wird. Erstes Beispiel dafür ist in Österreich die Tiroler Gemeinde Schönwies, bei der das regionale Glasfasernetz das bisherige kupferbasierte Festnetz ablöst.

Politik & Öffentliche Hand

Offene Glasfaser-Infrastrukturen erlangen somit zusätzlich Bedeutung für die Daseinsvorsorge von Regionen und Nationen. Geschätzte 12 Milliarden Euro werden in Österreich für den flächendeckenden Ausbau dieser Netze benötigt. Mehr denn je ist die Politik – trotz vieler anderer anstehender Herausforderungen – aufgerufen, notwendige Mittel behänd bereitzustellen. Gleichzeitig ist kraft einer klugen Förderpolitik danach zu trachten, die maximale Hebelwirkung für Gelder der öffentlichen Hand zu erwirken. Erfolgreiche Modelle beispielsweise in Niederösterreich und Kärnten zeigen, wie private Investoren umfangreich in den Glasfaser-Ausbau einzubinden sind.
Noch heuer erwartet die Branche die Freisetzung einer weiteren Fördertranche in der Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro durch den Bund. Etwa die Hälfte stammt aus EU-Töpfen. Weitere Finanzmittel werden also benötigt. Allein deren Herkunft ist noch weitgehend unklar. Neue Fördermodelle wie das OpenNet-Programm sind vielversprechend und zeigen Wirkung, v.a. um die parallele Errichtung gleichartiger Infrastrukturen zu vermeiden (Stichwort: „Überbauung“). Das Fiberday-Gastgeberland Kärnten treibt den Glasfaserausbau mit einem progressiven Investoren-Modell voran. Ziel ist es urbane und ländliche Räume gleichermaßen und vor allem zügig zu erschließen. Es zählt jetzt die Geschwindigkeit des Ausbaus, betont Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig in Ihrer Eröffnungsrede.

Standardisierung & Status Quo

Mit zunehmender Anzahl offener Glasfasernetze ist es sinnvoll, verbindliche Standards für alle Teilnehmenden festzulegen. Anbieter („Service und Content Provider“) sollen möglichst in einheitlicher Weise über alle Glasfaser-Infrastrukturen ihre Dienste verbreiten und zugänglich machen können. Landesweite Bestrebungen für eine Normierung sind im Gange.

In Österreich sind erst 21 % der Gebäude mit einem Glasfaseranschluss ausgestattet. Der Nutzungsgrad liegt mit 2,1 % nur bei einem Zehntel. Damit bleibt Österreich im Vergleich zu anderen EU-Ländern weiterhin weit abgeschlagen. Bemerkenswert ist jedoch, dass in den neu errichteten offenen Netzen die Nutzung bei über 45 % liegt. Dies mag als weiterer Beleg gewertet werden, mit offenen Glasfaser-Infrastrukturen den richtigen Weg einzuschlagen. „Mittelfristig wird es in jedem Haushalt, ähnlich wie bei Strom und Wasser, nur einen Glasfaseranschluss geben. Wir müssen darau achten, dass es einen Wettbewerb der Dienste gibt und nicht der Infrastrukturen“, fordert CMG Vizepräsident Igor Brusic.

Der diesmal im Lakeside Park in Klagenfurt stattfindende CMG Fiberday 2021 zeigt ebenfalls eindrucksvoll die Bedeutung der Glasfaser auf: Über 320 Teilnehmer (vor Ort und Online) sowie 32 Aussteller diskutieren Modelle, technologische Neuerungen und wünschenswerte Rahmenbedingungen für den flächendeckenden Ausbau von ultraschnellen Breitbandnetzen. Der nächste Fiberday findet am 29. September 2022 in Linz statt.

Quelle: Johannes Zeitelberger Computer Measurement Group – Austria & Eastern Europe (CMG-AE) / ots  //  Fotocredit: © CMG/aggfa (gleissfoto.at)

 

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