Otto Muehl | Change - Bilder der 80er Jahre

Otto Muehl | Change - Bilder der 80er Jahre

Otto Muehl Parndorfer Heide I, 1987 Acryl auf Leinwand 120 x 150 cm

 Otto Muehls Biographie ist komplex und skandalös. Nicht nur die Anklagen und Verurteilungen, mit denen die österreichischen staatlichen Autoritäten auf seine Aktionen in den 1960er Jahren reagiert haben, sondern vor allem die Gesetzesvergehen in der Kommune sind zweifellos eine Herausforderung an den Rezipienten seines Werkes. Es gilt aber, so wie bei vielen hervorragenden Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturgeschichte, sein Werk unabhängig davon der Öffentlichkeit zur Sichtung, Diskussion und Beurteilung zur Verfügung zu stellen.

Das Gesamtwerk des 2013 verstorbenen Künstlers umfasst künstlerisches Schaffen aus einem Zeitraum von mehr als sechs Jahrzehnten, von den Aktionen der 1960er Jahre bis zu seinem an der Algarve entstandenen Spätwerk. Die Ausstellung bei W&K – Wienerroither & Kohlbacher konzentriert sich auf Werke Otto Muehls aus den 1980er Jahren, die durch bewusst gesetzte Stilwechsel gekennzeichnet sind.

Auf die energetischen und ekstatischen Körperdarstellungen der ersten Jahre folgen mehrere Phasen des spielerischen Umgangs mit den Ausdrucksmöglichkeiten der Malerei – seien es Farbfeldmalereien, welche die formalen Möglichkeiten des von Muehl bevorzugten Siebdrucks auf Leinwand übersetzen, ein neuer Blick auf die Landschaftsmalerei, stark gestische und abstrakte Aktionsmalerei, ironische Paraphrasen über Werke Vincent Van Goghs und Pablo Picassos bis hin zu einer Gruppe monochromer Arbeiten mit Gold, denen trotz aller Reduktion eine intensive Materialsinnlichkeit eigen ist. Diese mit „Das goldene Zeitalter“ betitelte Serie ist vor dem Hintergrund der Produktion des Filmes „Back To Fucking Cambridge“ eine Hommage des Künstlers an Gustav Klimt. Hier schließt sich ein Kreis zwischen der Wiener Moderne um 1900 und der Neoavantgarde des von Otto Muehl maßgeblich mitentwickelten Wiener Aktionismus.

// Van Gogh Serie

In den 1980er Jahren wurden in der Aktions-Analytischen Kommune am Friedrichshof eine Vielzahl von Filmen produziert. In der 1984 entstandenen Verfilmung des Lebens von Vincent Van Gogh („Vincent“) kritisiert Muehl die in der bürgerlichen Kunstgeschichte betriebene Fetischierung der Rolle des Künstlers und seine Denunzierung als „heroisches Opfer“ und „Märtyrer“. Parallel zum Film schafft Muehl eine Serie von Bildern, in denen er einige der bekanntesten Bildmotive Van Goghs ironisch paraphrasierte und umdeutete.


// Portraits von Pablo Picasso

Nach „Vincent“ entsteht 1986 mit „Picasso“ ein weiterer Film am Friedrichshof. Der große Maler wird von Muehl zynisch als Künstler charakterisiert, der, von seinem Erfolg überwältigt und von ehrgeizigen Partnerinnen und dem Kunstmarkt kontrolliert, unter seiner Mutation zur extrem produktiven „Malmaschine“ leidet. Im Gegensatz zu Van Gogh, dem unglücklichen und zu Lebzeiten erfolglosen Künstler, kritisiert Muehl am Beispiel Picassos die kapitalistische Pervertierung des Künstlers zum erfolgreichen „Malerfürsten“. Auch hier entstehen parallel zu den Dreharbeiten Werke auf Leinwand und Serien auf Papier, in denen Muehl den Stil Picassos satirisch und verspielt stilsicher paraphrasiert.


// Landschaftsmalerei

Im Sommer 1987 beschäftigt sich Muehl unter anderem mit einer neuen, revidierten Form von Landschaftsmalerei. Dabei wird die Umgebung des Friedrichshofs, die Parndorfer Heide, sein bevorzugtes Motiv. Auf großen Leinwänden entstehen in einer Art Schaumalerei im Freien vor Publikum dick bemalte Bilder mit stark abstrakter Charakteristik. Später beruhigt sich die Gestik, glatte Malflächen und klare dünn aufgetragene Farbigkeit dominieren. Das ursprünglich expressiv gestaltete Motiv der Parndorfer Heide wandelt sich nun zur abstrakten Farbflächenmalerei.


// Das Goldene Zeitalter

Ebenfalls 1987 entsteht die Filmsatire „Back To Fucking Cambridge“, ein ironischer Blick Muehls auf die an Kitsch grenzende kulturgeschichtliche Interpretation von „Wien um 1900“.
Zusätzlich zum Film reagiert er mit einer „Das goldene Zeitalter“ betitelten Serie, eine Hommage an Gustav Klimt. Die dabei entstehenden monochromen Goldarbeiten, denen trotz aller Reduktion ein intensiver Materialcharakter eigen ist, sind eine extreme Interpretation der sinnlichen Ornamentik des großen österreichischen Meisters in der Wiener Malerei um 1900. In diesen Bildern schließt sich der Kreis zwischen der Wiener Moderne um 1900 und der Avantgarde der Wiener Aktionisten nach der desaströsen kulturellen und politischen Entwicklung Österreichs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
 

Muehls Werke befinden sich heute weltweit in wichtigen Sammlungen. Bildobjekte, Malereien, Aktionsfotographien und Filme wurden in den letzten Jahren von zahlreichen Museen und Privatsammlungen wie dem Museum Moderner Kunst Wien, dem Leopoldmuseum Wien, dem Centre Pompidou Paris, der Sammlung Pinault Paris, dem Museum of Modern Art New York, der Sammlung Falckenberg Hamburg, der Sammlung H&W St.Gallen oder der Glenstone Collection in Washington DC erworben. Seine Tage- und Skizzenbücher sowie sein aktionsfotographisches Werk befinden sich im Ghetty Research Center Los Angeles und werden dort wissenschaftlich bearbeitet.

Quelle, Fotocredit: W&K - Wienerroither & Kohlbacher / ots 

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