Rotes Kreuz warnt - Ältere Frauen sind besonders gewaltgefährdet

Rotes Kreuz warnt - Ältere Frauen sind besonders gewaltgefährdet

Demenz und soziale Isolation als Risikofaktoren für häusliche Gewalt

Ältere Frauen in Österreich sind besonders von Übergriffen betroffen. Das zeigen Praxiserfahrungen von Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pflege und im Rettungsdienst. Aufgrund von Pflegebedürftigkeit und sozialer Isolation bleiben Übergriffe zudem oft unbemerkt, die Dunkelziffer ist hoch. So ergab etwa eine vergangene Studie, dass eine von vier befragten Frauen über 60 in Österreich von Gewalt betroffen ist, nur die Hälfte meldet die Vorfälle. Das Rote Kreuz forderte daher heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Experten mehr Bewusstsein und mehr Mittel für die Prävention.

„Häusliche Gewalt passiert meist hinter verschlossenen Türen. Ältere Frauen sind besonders gefährdet. Pflegerinnen und Pfleger sind hier wichtige Vertrauenspersonen“, sagt Rotkreuz-Generalsekretär Michael Opriesnig. „Um Betroffene zu schützen, brauchen wir ein stärkeres Bewusstsein in der Gesellschaft und der Politik.“ Das Rote Kreuz startet daher ein von der EU und aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördertes Projekt zum Gewaltschutz, um ältere Frauen zu stärken. Um betroffene Berufsgruppen für das Thema noch stärker zu sensibilisieren, bietet das Rote Kreuz Ende September einen Online-Kurs für Mitarbeiter und Freiwillige.

„Gewalt wird im privaten Nahraum oft verheimlich. Vorfälle werden als innerfamiliäre Angelegenheiten gesehen. Von Angehörigen lässt man sich viel mehr bieten als von Außenstehenden - nur im Extremfall wird Hilfe gesucht“, sagt Josef Hörl der Universität Wien, Institut für Soziologie. Demenz, finanzielle Abhängigkeit von Angehörigen und soziale Isolation seien häufige Risikofaktoren für Gewalt gegen ältere Personen. „Die Grenze wo Gewalt beginnt, ist fließend. Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie von Gewalt betroffen sind“, sagt er.

„Dazu kommt, dass in der älteren Generation die Scham, über Gewalt zu sprechen, noch stärker ist als bei jüngeren Frauen. Frauen schämen sich, weil sie Gewalt erleiden, aber nicht die Männer, die sie ausüben“, sagt Birgitt Haller, Wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Konfliktforschung IKF.

Pandemie verschärft Situation für Betroffene

„Der Lockdown aufgrund von Covid-19 hat dazu geführt, dass Frauen noch weniger Hilfsangebote genützt haben, weil der Kontakt zu Personen außerhalb des eigenen Haushalts untersagt wurde bzw. die Angst vor Ansteckung sehr groß war“, sagt Birgitt Haller.

Weiters hat die Pandemie viele Familien vor große Herausforderungen gestellt, die teilweise auch zu einer Überforderung geführt haben. „Überforderung ist ein wichtiger Auslöser von Gewalt. Corona hat die Situation weiter angespannt. Die Last der Pflege liegt in vielen Familien auf den Angehörigen. Hier braucht es dringend mehr Unterstützung“, sagt Monika Wild, Bereichsleitung Pflege und Betreuung Österreichisches Rotes Kreuz.

Quelle: Vera Mair, M.A.I.S. Österreichisches Rotes Kreuz Presse- und Medienservice / ots  //  Fotocredit: © ÖRK-Kellner Holly

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