Montag 22. Juli 2019
Suche

Sicher durch die Motorradsaison

OÖ - LR Mag. Steinkellner präsentiert zusammen mit Experten einen Maßnahmenkatalog

„Noch nie gab es in Oberösterreich so viele Motorräder wie heute“, so Landesrat für Infrastruktur Mag. Günther  Steinkellner. Voraussichtlich wird bereits im kommenden Jahr die Schwelle von 100.000 zugelassenen Motorrädern in OÖ durchbrochen. Wie die Zulassungszahlen eindeutig belegen,  ist  das Motorradfahren  ein  immer beliebter werdender Freizeitsport. Innerhalb der letzten 10 Jahre stiegen   die Zulassungszahlen um rund 52,5% an.

Österreichweit wurde 2018 mit rund 535.000 Zulassungen bereits die halbe Million Grenze durchbrochen. Obwohl die langfristige Tendenz immer weniger Verkehrstote aufweist, bleibt die Zahl tödlich verunglückter Biker hoch.

Hauptunfallursachen
Mehr als ein Drittel aller Unfälle in OÖ sind Alleinunfälle. Meistens wurden diese durch einen Fahrfehler des Bikers ausgelöst. Knapp dahinter, als zweithäufigster Unfalltypus, folgen Kreuzungsunfälle. Bei  Auffahr- und Gegenverkehrsunfällen wird überwiegend  Eigenverschulden  der  Motorradfahrer/innen  festgestellt,  wogegen  bei Kreuzungsunfällen  eine  klare  Tendenz  in  Richtung  Fremdverschulden  vorliegt. Bei Kreuzungsunfällen wird der Motorradfahrer vom Unfallgegner oft übersehen

Mehr als ein Drittel aller Unfälle in OÖ sind Alleinunfälle. Meistens wurden diese durch einen Fahrfehler des Bikers ausgelöst. Knapp dahinter, als zweithäufigster Unfalltypus, folgen Kreuzungsunfälle. Bei  Auffahr- und Gegenverkehrsunfällen  wird überwiegend  Eigenverschulden  der  Motorradfahrer/innen  festgestellt,  wogegen  bei Kreuzungsunfällen  eine  klare  Tendenz  in  Richtung  Fremdverschulden  vorliegt. Bei Kreuzungsunfällen wird der Motorradfahrer vom Unfallgegner oft übersehen

Maßnahmenpaket des Infrastrukturressorts
„Motorradfahren hat eine starke körperliche Komponente – Fitness und Reaktionsgeschicklichkeit sind gefragt. Insbesondere nach einer langen Winterpause ist eine optimale Eingewöhnung für den Start in die neue Saison wichtig. Denn richtiges Reagieren in Gefahrensituationen kann Leben retten“, so Steinkellner. Technische Ausrüstung/Service: Um sicher in die Saison zu starten, gibt es einige Überprüfungen die vorab gemacht werden sollten. „Am wichtigsten ist der Zustand der Reifen, denn sie sind die einzige Verbindung zur Straße. Falscher Luftdruck und/oder zu geringe Profiltiefe vermindern die  Bodenhaftung  und  steigern  das  Unfallrisiko“,  erklärt  Thomas  Harruk, Landesgeschäftsführer  des  ARBÖ  Oberösterreich. Der  Reifendruck  sollte  nach Herstellervorschrift  eingehalten  werden  und  die  Profiltiefe  sollte  1,6  Millimeter  nicht unterschreiten. "Nicht übersehen werden, sollten auch die Leitungen und Schläuche des  eigenen  Gefährts. Diese auf ihre Dichtheit  zu  überprüfen,  erspart  spätere Probleme.  Bremsflüssigkeits- und Motorölstand sowie die korrekte Funktion der Beleuchtung sollten ebenfalls kontrolliert werden", rät Harruk. Wichtig ist auch, dass  Federn  und  Stoßdämpfer  genau  eingestellt  sind,  die  Lenkung  frei  und  die  Kette richtig  gespannt  ist. Wer im Herbst keinen Ölwechsel vorgenommen  hat,  sollte  dies nun nachholen. Zumindest einmal jährlich müssen Öl und Ölfilter gewechselt werden. Bei der Bremsflüssigkeit  genügt  ein  Wechsel  alle  zwei  Jahre. Die  technische Wartung  und  Instandhaltung  des  Fahrzeuges  ist  nur  ein  Teil  des  Ganzen. Auch die Ausrüstung ist ein wichtiger Bestandteil für die sichere Fahrt.

Neu- und Wiedereinsteigern kommt dabei eine besondere Bedeutung  zu.  Es empfehlen  sich  Proberunden  auf  sicheren  Plätzen  und  langsames  Einfahren  auf verkehrsarmen   Strecken. Besonders   zu   achten   ist   auf   Verschmutzungen   und Streugutreste,   wie   auch   auf   Fahrbahnfeuchte   und   mögliche   Belagswechsel. Besonders Bodenmarkierungen können bei feuchten oder nassen Fahrverhältnissen ein  Risiko  darstellen. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, Überforderungen zu vermeiden. Blickverhalten, Fahrlinienwahl, Kurventechnik und Gruppenfahrten sollten speziell trainiert werden.

Gefahren richtig einschätzen
Besonders im Frühjahr, schätzen Motorradfahrer Situationen oftmals falsch ein. „Bei niedrigeren Temperaturen haben die Motorradreifen einen schlechten Grip. Zudem liegt in vielen Kurven oder am Straßenrand noch Rollspilt“, erklärt Erwin Machtlinger von der ÖAMTC Fahrtechnik. Der  Bike-Profi  weiß,  dass  diese  gefährlichen  Situationen  zu  wenig  im  Bewusstsein der Motorradfahrer sind. „Sie fürchten sich mehr vor einer sich plötzlich öffnenden Autotür. Diese Unfallsituation kommt aber vergleichsweise nur sehr selten vor“, so Machtlinger. Auch die Gefahr von Kreuzungsunfällen im Ortsgebiet wird unterschätzt. Um sicher und unfallfrei unterwegs zu sein, rät der ehemalige X-fache Staatsmeister im Motocross vor allem auf den Selbstschutz zu achten. „Dazu gehört, die Fahrbahn richtig   zu   lesen   und   eine   defensive   Fahrweise   an   den   Tag   zu   legen. Mit 
vorausschauendem, konzentriertem und kontrolliertem Fahren können Risikosituationen   vermieden   werden. Außerdem verschafft Bikern der richtige Abstand einen Sicherheitspolster. Dadurch können Fahrfehler von anderen Verkehrsteilnehmern ausgeglichen werden“, empfiehlt der ÖAMTC Fahrtechnik-Instruktor.

Neben einer umsichtigen   Fahrweise   hat   auch   die   Bekleidung   eine   wichtige Schutzfunktion. Verantwortungsvolle   Biker   treten   ihre   Fahrt   nur   mit   kompletter Schutzkleidung an. Das gilt auch für den Sozius. Für  die  kommenden  Tage  und Wochen  appelliert  Machtlinger  zur  ganz  besonderen Vorsicht:  „Auch  die  anderen Verkehrsteilnehmer   müssen   sich   wieder   an   die Motorradfahrer gewöhnen“, so Machtlinger.

Gutscheine für Motorrad-Fahrsicherheitstrainings Fahrtechnikkurse   ermöglichen   in   sicherer   Umgebung   und   mit   professioneller Unterstützung   das   Erlangen   der   notwendigen   Fähigkeiten   und   entsprechender Praxis. Alle Besitzer eines Motorradführerscheins mit abgeschlossener Ausbildung und  Wohnsitz  in  OÖ,  können  jährlich  einen  Gutschein  für  ein  Fahrtechniktraining beantragen. "Wir möchten aktiv zur Sicherheit der Motorradfahrer und aller Verkehrsteilnehmer beitragen. Deswegen   unterstützt   das   Land   die   Biker   mit   Gutscheinen   zu Fahrsicherheitstrainings", so Landesrat Steinkellner. Angeboten   werden   Gutscheine   sowohl   für   ein   ganztägiges,   als   auch   für   ein halbtägiges 'Warm-Up' Training. Im Vergleich zum Vorjahr wurden die Gutscheine nochmals höher dotiert. Ganztägige Fahrsicherheitstrainings werden nun mit 75.- Euro (zuvor 50.- Euro), halbtägige mit 40.- Euro (zuvor 25.- Euro) seitens des Infrastrukturressorts gesponsert. Ein solcher Gutschein kann  auch  einen  sinnvollen  Teil  eines  Geschenks  darstellen und  sollte  beim  Kauf  eines  Motorrades  jedenfalls  in  Betracht  gezogen  werden. Nähere Informationen erhalten Sie direkt auf der Homepage des Infrastrukturlandesrats oder der Homepage des Landes Oberösterreich. 
Gutscheinbestellung direkt auf: http://www.land-oberoesterreich.gv.at/60407.htmoder mittels Email: motorradtraining@ooe.gv.at

Motorrad-Leitschienen
Sind  Stürze  nicht  vermeidbar,  gilt  es  den  Straßenseitenraum  dementsprechend sicher  zu  gestalten. Für Motorradfahrende sind abgesicherte Objekte von großer Bedeutung. Ein Fahrfehler oder Sturz mit anschließendem Objektanprall (Bäume, Leitpflöcke,   Masten,   etc.) kann gravierende Folgen nach sich ziehen. Eine großzügige Auslaufzone – wie es bei Motorradrennen auf Rundkursen der Fall ist – ist im öffentlichen Straßenraum kaum möglich. Dementsprechend muss der Fokus auf der Absicherung von potentiellen Gefahren liegen. Mit dem Projekt ‚Unterfahrschutz‘ hat Oberösterreich eine Vorreiterrolle eingenommen und setzt auf ausgewählten Strecken verstärkt auf diese kontinuierliche Verkehrssicherheitsmaßnahme. Neuralgische Unfallhäufungspunkte  und  bekannte  Motorradstrecken  werden  mit diesem System ausgestattet.

Pilotprojekt Bodenmarkierungen
Neben  den  Maßnahmen  zur  Verbesserung  der  passiven  Verkehrssicherheit  wie beispielsweise    durch    Unterfahrschutzsystemen an    Leitschienen    sollen    in Oberösterreich  2019  auch  besondere  Maßnahmen  zur  aktiven  Unfallvermeidung angewandt    werden. Es handelt sich dabei um Sondermarkierungen, die Motorradfahrer   in unübersichtlichen Kurven zur Wahl der richtigen Fahrlinie animieren sollen. Eine  häufige  Unfallursache  bei  Motorrädern  ist  die  Korrektur  der Fahrlinie  während  der  Kurvenfahrt. Durch ungünstige Fahrlinien der Motorräder resultieren oftmals Konflikte mit dem Gegenverkehr (in Linkskurven).

Es gibt in anderen Bundesländern auch erste Wirksamkeitsuntersuchungen an beliebten Motorradstrecken zu diesen Sondermarkierungen, insbesondere durch das KfV,   die   bei   speziellen   Anlageverhältnissen   eine   Verbesserung   durch   diese Sondermarkierungen zeigen. Im  Rahmen  des  Pilotprojektes  in  OÖ  sollen  an  einer unfallauffälligen und beliebten Motorradstrecke (insbesondere Streckenabschnitte an der B119 Greinerstraße) Kurvenabschnitte mit derartigen Verhältnissen aufgefunden und an 2 Kurven diese Bodenmarkierungen aufgebracht werden. Die Umsetzung der Sondermarkierungen soll noch in der Motorradsaison 2019 erfolgen

Schutz durch Kontrolle
Um   gefährliche   Unfälle   zu   vermeiden, wird in Absprache mit der Polizei die Kontrolldichte in Bezug auf Geschwindigkeitsüberwachungen an stark frequentierten Motorradstrecken erhöht. Im Zuge der Kontrolltätigkeiten werden weitere Schwerpunktmaßnahmen wie bspw. Lautstärkenüberschreitungen überprüft und entsprechend geahndet.