Wiener Wirtschaftskreis setzt künftig Gesundheitsschwerpunkte

Wiener Wirtschaftskreis setzt künftig Gesundheitsschwerpunkte

v.l.: Univ. Prof. Dr. Rudolf Taschner – Vorsitzender Wiener Wirtschaftskreis, Dr. Ulrike Famira-Mühlberger – stv. Leiterin des Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Prof. Dr. Herwig Ostermann – Geschäftsführer Gesundheit Österreich GmbH, Dr. Alexander Biach – stv. Direktor der Wirtschaftskammer Wien, Standortanwalt Wien

Der Wiener Wirtschaftskreis, die Denkfabrik der Wiener Wirtschaftskammer für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik wird um Experten und Wissenschaftler aus der Medizin und dem Gesundheitswesen erweitert.

Wir betrachten es als unsere Aufgabe innovative Lösungen aufzuzeigen, diese in die öffentliche Diskussion einzubringen und beratend zu wirken“, betont der Vorsitzende des Wiener Wirtschaftskreises, Univ. Prof. Dr. Rudolf Taschner. Und genau diese Aufgabe erfüllt der Wiener Wirtschaftskreis mit seinen ersten Überlegungen zum Thema Pflege und Prävention.

Taschner: „Innovative Lösungen für die Pflege“ 

Aufgrund der demographischen Entwicklung müssen wir uns diesen Fragen stellen und innovative Lösungen entwickeln. Die Experten und Wissenschaftler im Wiener Wirtschaftskreis werden dazu einen konstruktiven Beitrag leisten“, kündigt Prof. Taschner an.

Famira-Mühlbacher: „Pflege aus einer Hand finanzieren“

Der Anteil der über 85-Jährigen an der Bevölkerung wird in den nächsten Dekaden in allen Bundesländern kräftig steigen. Dementsprechend werden sich auch die Kosten für Pflege erhöhen: das WIFO rechnet mit realen Kostensteigerungen für Pflegedienstleistungen um knapp 80 Prozent und im Bereich des Pflegegeldes mit einer Steigerung von 25 Prozent bis 2030, prognostiziert Dr. Ulrike Famira-Mühlberger, die stv. Leiterin des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist auch mit einer Steigerung des Personalbedarfs in der Pflege zu rechnen: rund 30.000 zusätzliche Pflegekräfte bis 2030 plus Ersatzbedarf von rund 40.000 aufgrund von Pensionierungen ergibt eine Summe von 70.000.

Öffentliche Ausgaben für professionelle Pflegedienstleistungen sollten nicht nur als Kostenfaktor im öffentlichen Haushalt betrachtet werden, sondern als produktiver Wirtschaftsfaktor. Berechnungen zeigen, dass jedem Euro, der für Pflegedienstleistungen ausgegeben wird, eine inländische Wertschöpfung von 1,7 Euro sowie 70 Cent an Steuern und Sozialabgaben folgen.

An Maßnahmen für die Pflege schlägt Famira-Mühlberger vor Weiterbildungen und finanziell unterstützte Umschulungsmöglichkeiten, eine verbesserte Kooperation von Bund, Länder und Gemeinden, eine Finanzierung der Pflege aus eine Hand und letztlich eine bessere Verschränkung der Themen Pflege und Gesundheit mit dem Fokus auf Prävention und Gesundheitsvorsorge.

Ostermann: „Heute für morgen denken und klug handeln“

„Österreich hat ein sehr gutes System der Pflegevorsorge. Zentrales Element stellt die Sicherstellung sowie der bedarfsgerechte Aus- und Aufbau an professionellen Pflegedienstleistungen dar“ spricht ao Univ.-Prof. Dr. Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH die Verfügbarkeit von Pflegekräften als Kernherausforderung an. 

Über den Pflegefonds wurden in der Vergangenheit maßgebliche Akzente zur Sicherung qualitätsgesicherter Pflege und Betreuung gesetzt.

Um dem künftigen Bedarf im Pflegebereich gerecht werden, schlägt Ostermann u.a. die Planungs von Ausbildungsplätzen, Hebung der Attraktivität der Pflegeberufe, eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Digitialisierung und die Entwicklung neuer Betreuungs- und Versorgungsarragements.

„Die Gesundheit der Bevölkerung und die Qualität des Gesundheitswesens sind wichtige Standortfaktoren“,

betont Dr. Alexander Biach, stv. Direktor der Wirtschaftskammer Wien und Wiener Standortanwalt. Bereits in der Initiative „Gesundheitsmetropole Wien“ wurde darauf hingewiesen, dass Gesundheitsdienstleistungen ein hohes Wachstumspotenzial haben. Dafür sorgen nicht nur das steigende Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung, sondern auch der demographische Wandel. Die Bevölkerung wird älter und damit steigt die Nachfrage nicht nur nach Gesundheitsdienstleistungen, sondern auch nach Pflegeleistungen. Biach: „Wir sollten aufhören, die Pflegenachfrage nur als Kostenbelastung zu sehen. Auch sie hat ein hohes Wachstumspotenzial, welches für Wien und ganz Österreich erschlossen werden soll“.

Ausgaben für Prävention bewirken, dass sich der Gesundheitszustand von Menschen über 65 Jahren verbessert. Und je besser der Gesundheitszustand der über 65-Jährigen ist, desto geringer ist damit auch die aktuelle bzw. zu erwartende Nachfrage nach Pflegeleistungen. Internationale Vergleiche lassen den Schluss zu, dass mit einem Ausbau der Prävention der Pflegebedarf in überschaubarem Ausmaß beeinflusst werden kann.

Um der drohenden Pflegefalle zu entkommen, schlägt Biach vor, folgende Maßnahmen rasch umzusetzen:

  • Die bewährte Zielsteuerung Gesundheit um das Thema Pflege zu erweitern
  • Eine organisatorische Abwicklung des Pflegewesens bei der Pensionsversicherungsanstalt, aber keine Finanzierung über eine Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge
  • Die derzeit in Realisierung befindlichen Primärversorgungszentren sollen mehr Pflegekompetenz erhalten.
  • Personen, die etwa im Rahmen der Primärversorgungszentren Leitungen im Bereich der Prävention und Gesundheitsvorsorge in Anspruch nehmen sollen einen „best-agers-bonus“ analog des Mutter-Kind-Passes erhalten.

Quelle: Dieter Holzweber Wirtschaftskammer Wien / ots  //  Fotocredit: Fotografie Weinwurm

 

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