„Wirf nix raus – für sichere und saubere Straßen“

„Wirf nix raus – für sichere und saubere Straßen“

Landesrat für Infrastruktur Mag. Günther Steinkellner und Bürgermeister Roland Wohlmuth – Vorsitzender des OÖ Landesabfallverbands bei der Präsentation der Kampagne Wirf nix raus.

LR Mag. Günther Steinkellner: „Jedes Jahr werden Tonnen an Müll an OberösterreichsStraßenrändern und Wiesen achtlos weggeworfen oder liegen gelassen. Dieses Phänomen wird auch Littering genannt. Der Müll wird etwa bei der Autofahrt aus dem Fenster geworfen oder beim Spazierengehen einfach fallen gelassen. Verpackungen, insbesondere Kunststoffverpackungen und Getränkedosen landen zu Tausenden an Oberösterreichs Straßenrändern und öffentlichen Plätzen. Aber auch Zigarettenstummel und anderer Abfall, der im Freien zurückgelassen wird, muss mühsam wieder aufgelesen und entsorgt werden und verursacht nebenbei erhebliche Kosten, da oftmals eine maschinelle Reinigung nicht möglich ist, sondern manuell erfolgen muss. Aus diesem Grund wurden Anfang Juni von den Straßenmeistereien Schilder und Transparente, die gegen Vermüllung protestierende Tiere zeigen, entlang von Straßen, an Kreisverkehren, Brücken und in Parks aufgestellt. Straßenränder insbesondere sind nicht nur wegen der guten Sichtbarkeit der ideale Ort, sondern weil genau dort Littering ein großes Problem darstellt. Auch öffentliche Treffpunkte, Tankstellen und Take-Away-Restaurants sind etwa von Littering betroffene Brennpunkte.“

Littering verursacht ein unschönes Landschaftsbild, schadet der Umwelt und die achtlos weggeworfenen Abfälle können keiner Wiederverwertung zugeführt werden, was wiederrum das ökologische Gleichgewicht stört. Betrachtet man die ökonomische Seite, steht das Einsammeln und Entsorgen der Littering-Abfälle zudem mit viel Geld in Verbindung.

Bgm. Roland Wohlmuth: „Die Anti-Littering Kampagne „Wirf nix raus“ der OÖ Umwelt Profis der kommunalen Abfallwirtschaft in Kooperation mit dem Infrastruktur-Landesrat Mag. Steinkellner und der Straßenmeistereien zielt darauf ab, Aufmerksamkeit an stark von zunehmender Vermüllung betroffenen Orten wie Straßenrändern, öffentlichen Plätzen und Grünanlagen zu schaffen. Wir wollen damit mehr Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen, damit die Menschen einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Natur aufrechterhalten.“

Sicherheit für Mensch und Tier leidet

An genau jenen Kerngebieten, wo viel Littering auftritt, wird die Lebensqualität der Menschen eingeschränkt. Dies kann nicht nur Auswirkungen auf die Gesellschaftsform mit sich bringen, sondern auch die Gesundheit beeinflussen. Auf und neben den Straßen stellt der entsorgte Müll nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Straßensicherheit ein Problem dar. Wird der Abfall etwa aus dem Autofenster geworfen, kann dieser zu einem folgenschweren Geschoss werden und nachkommende Fahrzeuge beschädigen oder sogar Unfälle bedingen. Gleiches gilt für auf der Straße liegengebliebenen Müll der als Hindernis für den Straßenverkehr realisiert wird.

Liegt der Abfall erst einmal in der Natur auf Wiesen und Feldern, wird er nicht selten von Tieren gefressen. Dies kann zu erheblichen Verletzungen bei den Tieren führen. Abfälle auf den Feldern und Wiesen werden auch oftmals durch das Mähen von Grünland zerkleinert und können so etwa in Futtermittel gelangen und dieses verschmutzen. Landwirte müssen zudem viel Zeit und Geld in die Reinigung ihrer Felder und Wiesen investieren, um nicht verunreinigtes Erntegut zu erhalten.

Des Weiteren wird unser Boden durch weggeworfenen Müll verunreinigt und Giftstoffe, wie etwa von weggeworfenen Zigarettenstummeln gelangen in die Erde und Gewässer. Da Zigarettenfilter aus Cellulose-Acetat, also im Prinzip aus Kunststoff bestehen, können sie nicht biologisch abgebaut werden. Je nach Ablagerungsort dauert es mehrere Jahre, bis sich herkömmliche Zigarettenfilter aufgelöst haben. Bis dahin haben sie längst ihre giftigen Stoffe wie Teer, Blei und Nikotin an die Natur weitergegeben. Sehr häufig werden beispielsweise auch Aludosen achtlos weggeworfen. In diesem Fall kann die Zersetzung in der Natur bis zu 100 Jahre dauern. Da Abfälle nicht einfach verschwinden, kommt es im Laufe der Zeit zur Zersetzung und somit unter anderem zur Entstehung von Mikroplastik. Zudem wird die Kreislaufwirtschaft durch das achtlose Wegwerfen von Materialien gestört, da diese Abfälle nicht verwertet werden können. Somit geht auch eine wichtige Rohstoffquelle verloren. Speziell Verpackungen machen einen erheblichen Anteil der weggeworfenen Abfälle aus. Gerade hier muss eine Lösung gefunden werden, um diese Menge einzudämmen. Neben Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung ist auch eine Erhöhung der Mehrweg-Quote ein durchaus wichtiger Ansatz.

Littering verursacht großen Aufwand und hohe Kosten

Dass Littering bloß eine Verunstaltung des öffentlichen Raums ist, ist ein großer Irrtum. Denn achtlos weggeworfene Gegenstände müssen wieder aufgelesen und entsorgt werden. Dabei ist das Aufsammeln des Mülls mit Maschinen oft nicht möglich und muss daher manuell erfolgen. Dies erfolgt laufend durch den Streckendienst und vor den Mäharbeiten auf den Böschungen sogar mit verstärkter Mannschaft. Die Kosten- und Zeitbelastung ist dabei enorm. Der finanzielle Aufwand der Straßenmeistereien in Oberösterreich beträgt jährlich rund 1,5 Millionen Euro. Dieser ergibt sich aus den Entsorgungskosten, den Fahrt- und Transportkosten, sowie den Arbeitsstunden, die für das Sammeln und Entsorgen des Mülls aufgebracht werden. Je nach Straßenmeisterei bzw. je nach Ausmaß an Littering im jeweiligen Erhaltungsbereich fallen zwischen 700 und 1.600 Stunden für das Einsammeln von Littering und den Abtransport ein. Das ergibt in Summe rd. 35.000 Arbeitsstunden, die pro Jahr für das Auflesen achtlos weggeworfener Abfälle aufgewendet werden. Nicht mitgerechnet sind hier die Stunden, die Bauern und Grundbesitzer für das Reinigen ihrer Felder und Grundstücke benötigen und die Aufwände weiterer Institutionen wie die der ASFINAG.

Im Jahr 2018 fiel dabei allein auf Oberösterreichs Landstraßen 400 Tonnen gelitterter Abfall an. Das entspricht 66 kg Müll pro einem Kilometer Landstraße. Auf Autobahnen, Schnellstraßen und Rastplätzen waren es 2019 laut einer Statistik der ASFINAG circa 1.300 Tonnen achtlos weggeworfener Müll (knapp 8.700 Tonnen in ganz Österreich). Laut den Oö. Straßenmeistereien werden vermehrt Zigarettenstummeln, Blechdosen und Verpackungen aufgefunden. In der Umgebung von Fast-Food-Restaurants werden Getränkebecher und Essensschachteln in größeren Mengen entsorgt. Nicht um sonst werden diese Gebiete von den Straßenmeistereien oft als Big-Mäc-Äquator bezeichnet.

Ab und an finden sich auch Autoreifen oder beispielsweise Kühlschränke in den Naturräumen wieder. Hier besteht speziell die Gefahr, dass sich schnell eine wilde Deponie bildet, da immer mehr Müll illegal an diesen Orten entsorgt wird. Zudem tritt auch oftmals das Problem auf, dass Hausmüll gar säckeweise über die Böschung entsorgt wird. Unter die Kategorie problematisch fällt etwa die illegale Entsorgung von gefährlichen Stoffen. Dazu zählen unter anderem Autobatterien, sowie Dosen oder Kübel mit Lacken und Farben. Das Einsammeln, der Transport und die Entsorgung solcher Gegenstände sind für die Straßenmeistereien nicht nur mit erheblichem Aufwand und höheren Kosten verbunden, sondern stellen durchaus auch eine Gefahr für Mitarbeiter dar.

Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit

Auch die negativen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit können gravierend sein. Auf der Straße liegengebliebener Müll stellt ein Fahrbahnhindernis dar, auf das reagiert werden muss. Die jeweiligen Fahrzeuglenker/innen sind automatisch auf Ausweichmanöver konditioniert. Je nachdem wie gut und vorausschauend Hindernisse erkannt werden, können Ausweichmanöver geplant werden. Werden Hindernisse spät erkannt, ist besonders bei zweispurigen Fahrzeugen, ein ruckartiges Verreißen des Fahrzeuges die Folge. Wenn zusätzlich entgegenkommender Verkehr involviert ist, können risikoreiche und folgenschwere Situationen entstehen.

Die Kampagne zur Bewusstseinsbildung

Die Ursachen für das achtlose Wegwerfen von Abfällen können vielfältig sein. Von geringer Wertschätzung des öffentlichen Raums, veränderter Konsumgewohnheiten, bis hin zu fehlender Aufklärung. Das Ziel, welches die Kampagne der OÖ Umwelt Profis verfolgt ist aber in allen Fällen dasselbe. Die Menschen grundsätzlich auf das Problem Littering aufmerksam zu machen und zu verdeutlichen, wieso der Müll nicht achtlos auf den Boden geworfen werden soll. Die Anti-Littering Kampagne „Wirf nix raus“ fandbereits letztes Jahr viel positive Beachtung. Aus diesem Grund werden die Schilder und Transparente auch heuer wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Seit Anfang Juni werden in ganz Oberösterreich besonders gut sichtbare Standorte neben viel befahrener Straßen und an Kreisverkehren für die Platzierung ausgewählt.

Folgende Schilder wurden für die „Wirf nix raus“ Kampagne produziert:

 Fünfteilige Wiesenstecker-Serien in drei unterschiedlichen Abwandlungen: „Wirf nix raus – für sichere und saubere Straßen“
 „Wirf nix raus – weil’s unsere Umwelt ist“
 „Wirf nix raus – weil’s unsere Straße ist“

Die Schilder machen klar, dass man keinen Müll aus dem Autofenster werfen soll und verdeutlichen zugleich, warum Littering der falsche Weg ist, seine Abfälle zu entsorgen und welche negativen Folgen daraus resultieren. Die Schilder wurden gut sichtbar neben viel befahrener Straßen ab dieser Woche aufgestellt. Genau jene Standplätze sind stark betroffen von der Vermüllung und daher aus diesem Grund ein idealer Ort, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.Transparente in zwei unterschiedlichen Abwandlungen. Diese wurden an Straßenrändern und Brücken angebracht.

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 Schilder in zwei unterschiedlichen Abwandlungen. Diese wurden an Kreisverkehren und in Parks aufgestellt.

Abfallberatung als Grundstein

Ein Hauptaufgabengebiet der Umwelt- und Abfallberater/innen ist die Beratung von Gemeinden, privaten Haushalten, Konsument/innen, Betrieben, Bildungseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen sowie Verwaltungsorganisationen. Umweltfreundliches Verhalten fängt in der Kindheit an, denn dort erlerntes, richtiges Verhalten wird meist beibehalten. Als Umweltpädagog/innen vermitteln die Abfallberater/innen der Umwelt Profis in Kindergärten und Volksschulen wichtige Umwelt-Themen auf kindgerechte Weise. Es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, auch Kinder spielerisch mit altersgerechten Programmen auf das Thema Littering zu sensibilisieren.

Quelle: Land OÖ  //  Fotocredit: ©Daniel Kauder

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