Montag 20. Mai 2019
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Zuerst nach Hause geschickt und dann im Krankenstand gekündigt: AK erkämpft 7.000 Euro für einen Leiharbeiter

Für einen Leiharbeiter aus dem Bezirk Braunau erkämpfte die Arbeiterkammer 7.000 Euro an vorenthaltenem Entgelt

Der Mann war kurz vor Ende eines Krankenstandes gekündigt worden – während der gesamten Dauer seiner Erkrankung hatte er kein Geld bekommen. „Dieser Fall zeigt wieder einmal, wie respektlos manche Unternehmen mit ihren Beschäftigten umgehen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er fordert einen Kündigungsschutz im Krankenstand.

Knapp 15 Monate war ein Arbeitnehmer aus Braunau über eine Leiharbeitsfirma in einem Betrieb im Bezirk beschäftigt. Vergangenes Jahr wurde er krank, daraufhin meldete ihn die Leiharbeitsfirma bei der Gebietskrankenkasse ab, ohne den Arbeitnehmer zu informieren. Wenige Tage vor Ende des Krankenstandes flatterte ihm die Kündigung ins Haus. Während der gesamten Dauer des Krankenstandes hatte der Arbeitnehmer kein Geld erhalten.

Der Mann kam in die AK-Bezirksstelle Braunau, um die Angelegenheit juristisch prüfen zu lassen. Die AK machte die offenen Ansprüche für den Arbeitnehmer geltend: Eingefordert wurden offene Lohn- und Entgeltfortzahlungen für die Zeit des Krankenstandes. Außerdem fiel dem Rechtsexperten der Arbeiterkammer bei der Kontrolle der Unterlagen auf, dass der Urlaubszuschuss um mehrere hundert Euro falsch berechnet war. Von da an ging alles recht schnell. Die Firma lenkte ein und bezahlte nach der schriftlichen Intervention sämtliche offenen Ansprüche nach: In Summe mehr als 7.000 Euro brutto.

„Dieser Fall zeigt wie viele andere Fälle auch: Manche Unternehmer gehen extrem respektlos mit ihren Mitarbeitern um – sogar im Krankenstand, zahlen ihnen einfach keinen Lohn und lassen es darauf ankommen, ob sich die Beschäftigten zur Wehr setzen oder nicht“, berichtet AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Dass der Fall des Leiharbeiters keineswegs eine Ausnahme ist, zeigt auch die Vorjahresbilanz der Arbeiterkammer Oberösterreich: rund 310.000 Beratungen, etwa 8.500 abgeschlossene Rechtsfälle, in denen 102 Millionen Euro an vorenthaltenen Ansprüchen für die Mitglieder erkämpft wurden. „Für ihre herausragenden Leistungen haben die Beschäftigten zumindest die korrekte Abrechnung und Bezahlung ihrer Ansprüche verdient. Wenn selbst das zu viel verlangt ist, verhelfen wir ihnen zu ihrem Recht“, sagt Kalliauer.

Um in Zukunft kranken Beschäftigten wenigstens die Sorge um den Job zu nehmen, fordert die AK Oberösterreich einen Kündigungsschutz im Krankheitsfall. „Zumindest sollte ein Motivkündigungsschutz mit Beweislastumkehr festgelegt werden“, sagt der AK-Präsident. Eine Kündigung seitens des Arbeitgebers im Krankenstand könnte dann durch betroffene Beschäftigte angefochten werden und Arbeitgeber müssten im Rechtsverfahren den Beweis erbringen, dass die Kündigung nicht wegen der Erkrankung erfolgte.

Quelle: OTS  Foto: Symbolfoto